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Der Mut zur Überzeugung

Selbst diejenigen, die die Haltung des britischen Premierministers Tony Blair in der Irak-Frage nicht teilen, loben ihn nicht selten für seinen Mut. Anders als Blair ist US-Präsident Bush nie mit feindseligen Menschenansammlungen konfrontiert. Wenn sich Blair der wöchentlichen Fragestunde des Premierministers im britischen Parlament stellt, wird er von seinen eigenen Parteifreunden aus der Labor Party in die Zange genommen und mit feindseligen Fragen eingedeckt. Aber auch außerhalb des Parlaments und selbst im Fernsehen muss sich Blair mit Gruppen auseinandersetzen, die nachdrücklich Frieden fordern.

Blair steht jedoch mutig zu seinen Überzeugungen. Dazu gehört, dass Saddam Hussein ein bösartiger Herrscher ist, der seine Nachbarn und auch andere Teile der Welt potenziell bedroht und der deshalb von der Macht zu entfernen ist.

Blairs Haltung ist umso bemerkenswerter, als politische Führer heute von Meinungsumfragen und so genannten ,,Focus Groups" abhängig sind, die ihnen einreden, was sie zu denken haben. Viele Politiker versuchen dabei so nahe wie möglich an der Mehrheitsmeinung zu bleiben. Das nennen sie dann ,,demokratisch" und hoffen, dass sich diese Treue zum Volkswillen bei der nächsten Wahl auszahlt.

Glücklicherweise ist derartiger Populismus - und um nichts anderes handelt es sich - nicht allgegenwärtig. Der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar steht Blair hinsichtlich seines Mutes zu Überzeugungen zu stehen nicht viel nach. Der französische Präsident Jacques Chirac hat zwar die Franzosen hinter sich, verfolgt aber auch sein eigenes Programm, in dem französische Grandeur ebenso wichtig scheint, wie die Zustimmung des Volkes.