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Konflikt bei der Bank von England

OXFORD: Andrew Sentance, scheidendes Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank von England (BOE), hat ein Szenario skizziert, das die Glaubwürdigkeit der Bank vor eine Herausforderung stellt. Es betrifft zwei gegenläufige Kräfte, die die Inflation deutlich über ihrem Zielwert von 2% halten könnten, und zwar nicht nur in diesem und im nächsten Jahr, sondern auch noch in 2013.

Das Dilemma ist, das jede Abwertung des Pfundes das Niveau der importierten Inflation erhöht, das nicht durch freie Kapazitäten innerhalb der Volkswirtschaft aufgefangen wird. Anders ausgedrückt: Großbritannien hat freie Kapazitäten – die Produktionsleistung ist während der Rezession um 6,4% gefallen und hat sich noch nicht wieder völlig erholt –, aber sie reichen nicht aus. Daher lag die Inflation seit Einsetzen der Erholung von der Finanzkrise des Jahres 2008 über dem Zielwert der BOE. Und laut Sentance könnte das für die Dauer des mittelfristigen Prognosefensters der Bank (2 Jahre) so bleiben.

Schlimmer noch: Falls der Gouverneur der Bank von England, Mervyn King, Recht damit hat, dass die über dem Zielwert liegende Inflation durch eine importierte Inflation bedingt ist, wird eine Anhebung der Zinsen kaum Auswirkung zeigen, es sei denn, sie führt zu einer Aufwertung, die die Kosten der Importe verringert. Nur soll die Abwertung des Pfundes die Volkswirtschaft wieder ins Gleichgewicht bringen, indem sie die Exporte erhöht; tatsächlich zählt die britische Regierung darauf. Ihr neues Office for Budget Responsibility (Amt für Haushaltsverantwortung) prognostiziert, dass der Handel in den kommenden Jahren ebenso viel zum BIP-Wachstum beitragen wird wie der Konsum.

Dies bedeutet natürlich eine Schließung des Leistungsbilanzdefizits von bisher 1-3% vom BIP, was wiederum eine weitere Abschwächung des Pfundes impliziert. Und offensichtlich kann das Pfund nicht gleichzeitig auf- und abwerten.