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Die kommende globale Kreditschwemme

HONGKONG: Ende dieser Woche treffen die Staats- und Regierungschefs der Welt auf dem G20-Gipfel in Cannes zusammen, und das nächste wirtschaftliche Minenfeld, mit dem sie sich werden auseinandersetzen müssen, zeichnet sich bereits ab. Es dürfte die Form einer schwer durchschaubaren globalen Kreditschwemme annehmen, die durch die fragile Durchmischung systemrelevanter globaler Banken mit einem riesigen und überwiegend unbeobachteten und unregulierten Schattenbankensystem drastisch verschärft wird.

Viele freilich sehen dies anders. US-Notenbankchef Ben Bernanke und andere sehen die Schuld für die Finanzkrise von 2008 bei einer globalen Ersparnisschwemme an, die den Geldfluss aus ersparnisreichen Schwellenvolkswirtschaften mit chronischen Zahlungsbilanzüberschüssen insbesondere in Asien anheizte. Laut dieser Denkrichtung drückten übermäßige Ersparnisse die langfristigen Zinsen ganz nach unten, was zu Vermögensblasen in den USA und anderswo führte.

Allerdings haben Claudio Borio und Piti Disayat, Ökonomen bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, überzeugend argumentiert, dass sich mit der Theorie von der Ersparnisschwemme die unhaltbare Kreditschöpfung im Vorfeld der Krise von 2008 nicht erklären lässt. Sie haben nachgewiesen, dass die größten Kapitalzuflüsse nicht aus den Schwellenmärkten, sondern aus Europa kamen, wo es keinen Netto-Zahlungsbilanzüberschuss gab.

Die alternative Theorie einer globalen Kreditschwemme gewann letzte Woche mit der Veröffentlichung des Berichts des Financial Stability Board über das Schattenbankensystem zusätzlich an Boden. Der FSB-Bericht enthält verblüffende Enthüllungen über den Umfang des globalen Schattenbankensystems, das er als „Kreditvermittlung, die Organisationen und Aktivitäten außerhalb des regulären Bankensystems umfasst“ definiert.