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Machtverschiebung im Nahen Osten

BERLIN – Der Ausbruch der arabischen Aufstände Ende 2010 und Anfang 2011 hat das Machtgefüge im Nahen Osten in Bewegung gebracht, und daraus sind sowohl Gewinner als auch Verlierer hervorgegangen. Aber da die Stärken und Schwächen der meisten Akteure höchst ungewiss sind, sind auch die Machtverhältnisse in der Region noch lange nicht festgeschrieben.

So wie die Dinge zurzeit stehen, ist Ägypten weiterhin einer der einflussreichsten Akteure in der Region, wobei der Erfolg oder Misserfolg seines politischen und wirtschaftlichen Wandels auch die Entwicklung anderer arabischer Länder beeinflusst. Aber auf Ägypten lastet das Gewicht seiner inneren Schwierigkeiten, wie eine schrumpfende Wirtschaft und eine Sicherheitssituation, in welcher die Armee Polizeiaufgaben übernimmt.

Die Ausdehnung der „weichen“ ägyptischen Macht hängt davon ab, ob seine erste demokratisch gewählte Regierung unter Präsident Mohammed Mursi schwierige Entscheidungen treffen und einen innenpolitischen Konsens erzielen kann. Ein Erfolg beim Aufbau einer effizienten Staatsführung wäre ein Vorbild, das viele Nachbarländer zumindest teilweise nachahmen würden.

In dieser Hinsicht ist die Türkei ein gutes Beispiel. Die Macht der Türkei besteht hauptsächlich aus der dynamischen Wirtschaft des Landes. Die beeindruckende militärische Stärke ist als Machtinstrument nur bedingt nutzbar, ihr politischer Einfluss ist überbewertet, besonders in Syrien. Eine Annäherung an Israel und, noch wichtiger, ein dauerhafter Frieden mit der kurdischen Bevölkerung, würde den regionalen Einfluss der Türkei stärken.