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Das Gesicht Frankreichs in Afrika wandelt sich

In dieser Woche werden viele afrikanische Staatsoberhäupter am 24. Frankreich-Afrika-Gipfel in Cannes teilnehmen. Jenseits allen Glitters könnte der Gipfel einen Wendepunkt in der Beziehung Frankreichs zu Afrika darstellen. Frankreich bereitet sich derzeit auf seine im Mai stattfindenden Präsidentschaftswahlen vor, und so, wie der Kampf um die Präsidentschaft an Hitzigkeit gewinnt, tut dies auch der Wettstreit, neue Beziehungen mit Afrika zu knüpfen.

Seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich der Begriff „Multilateralismus“ zum neuen politischen Schlagwort entwickelt. Darüber hinaus haben während der 1990er Jahre in Afrika, insbesondere in Ruanda, gemachte Fehler sowie Korruptionsskandale die französische Führung unter Druck gesetzt, dramatische Änderungen in ihrer Außenpolitik einzuleiten. In deren Folge ist nun ein bemerkenswerter Wandel zu beobachten – mit einer neuen Generation von Politikern, die für sich in Anspruch nimmt, einen neuen Ansatz und tief greifende Veränderungen in der französischen Afrikapolitik einläuten zu wollen.

Doch es bleibt viel zu tun, um diesen Wandel zu konsolidieren. Präsident Jacques Chirac hat einige bedeutende Reformen eingeleitet, so etwa bei der Umgruppierung der französischen Truppen in Afrika und bei der Neustrukturierung der Art und Weise, in der Frankreich seine Entwicklungshilfegelder verteilt. Aber er war nicht in der Lage, diese Einzelmaßnahmen zu einer konkreteren Vision zusammenzufügen, um den neokolonialen Verbindungen, unter denen die frankoafrikanischen Beziehungen noch immer leiden, zu begegnen.

Darüber hinaus scheinen die französischen Präsidentschaftskandidaten des Jahres 2007 Afrika und die internationale Politik ganz allgemein nicht als besonders wichtig anzusehen. Ségolène Royal – obgleich selbst in der damaligen französischen Kolonie Senegal aufgewachsen – scheint kein Interesse an Afrika zu haben, und ihr Widersacher Nicolas Sarkozy hat ein solches nur im Zusammenhang der illegalen Einwanderung erkennen lassen. Die ungeschönte Wahrheit freilich ist, dass ein zukünftiger französischer Präsident ohne starken politischen Willen und klare Argumente die Stärke der Lobbyistengruppen und alten Netzwerke, die Frankreichs Beziehung zu Afrika bisher dominiert haben, kaum wird zügeln können.