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Das Kalifornien-Syndrom

STANFORD – Kalifornien gilt seit langem als Vorreiter für nationale und globale Trends (die manchmal wundervoll und manchmal zu viel des Guten sein können), als Geburtsstätte für Innovation in allen Bereichen, angefangen bei Technologie über Unterhaltung bis hin zum Lebensstil. Die wichtigsten Technologieunternehmen der Welt haben ihre Anfänge – und ihren Hauptsitz – immer noch in Kalifornien: Apple, Intel, Cisco, Oracle, Google und Facebook, um nur einige aus der Nachbarschaft zu nennen, in der ich unterrichte und lebe.

Einst hatte Kalifornien breiten Bevölkerungsschichten einen Ausgangsort für steigendende Lebensstandards und enorme wirtschaftliche Aufstiegschancen geboten. Der Bundesstaat verfügte über die besten öffentlichen Schulen und staatlichen Universitäten Amerikas. Die soziale und wirtschaftliche Schichtung seiner Bürger war weniger ausgeprägt als in vielen anderen US-Bundesstaaten. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte ein steter Zuzug von Amerikanern nach Kalifornien, in ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten, geprägt von großer landschaftlicher Schönheit und einigen der fruchtbarsten Ackerflächen der Welt.

Doch dann ist etwas grundlegend schiefgelaufen und aus dem Verständnis, warum können Regierungen überall, ob auf nationaler oder subnationaler Ebene, ihre Lehren ziehen. Die Wirtschaft Kaliforniens, die normalerweise besser abgeschnitten hat als der Rest des Landes, bleibt inzwischen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Die Arbeitslosenquote ist mit 12,4% höher als in jedem anderen Bundesstaat abgesehen von Nevada.

In den letzten Jahren hat sich die Differenz zwischen Zu- und Abwanderung umgekehrt und Hunderttausende von Arbeitern und ihre Familien verlassen den Bundesstaat auf der Suche nach besseren Arbeitsplatzangeboten andernorts. Die öffentlichen Schulen in Kalifornien, vom  Kindergarten bis zur Highschool, erzielen schlechte Ergebnisse bei standardisierten Tests. Der Bundesstaat ist ein Epizentrum der Immobilienkrise und für Zwangsversteigerungen.