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Die besten Investitionen

KALKUTTA – Am östlichen Stadtrand von Kalkutta sorgt sich Dulu Bibi, eine 25-jährige Mutter von vier Kindern, über die Kosten für die Behandlung ihrer zwei kranken Söhne. Ihr Mann verdient 80-90 Rupien (1,90 Dollar bzw. 1,40 Euro) pro Tag. Die Basisernährung der Familie enthält nur einen geringen Anteil der lebensnotwendigen Mikronährstoffe, die Kinder für ihre Entwicklung brauchen. Dulus Söhne, drei und ein Jahr alt, sind schwach und fiebrig, haben keinen Appetit und weinen viel. „Wenn ich 150-200 Rupien für Medikamente ausgeben muss, womit kaufe ich dann Essen für mich und meine Kinder?“, fragt sie.

Dulus Geschichte ist herzzerreißend – und in den Entwicklungsländern nur allzu verbreitet: drei Milliarden Menschen überleben mit Lebensmitteln ohne Mikronährstoffe wie Vitamin A und Zink und sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt, an gewöhnlichen Infektionen wie Durchfall zu erkranken, an der jedes Jahr fast zwei Millionen Kinder sterben.

Mangel an Mikronährstoffen wird auch der „versteckte Hunger“ genannt. Eine treffende Beschreibung, denn er stellt eine der globalen Herausforderungen dar, von der wir in der entwickelten Welt relativ wenig zu hören bekommen. Die Medienaufmerksamkeit ist gering, es ist kein Thema, dessen sich Prominente annehmen, die oft dafür sorgen, dass sich Wohlfahrtsorganisationen eines Themas annehmen.

Aber es geht noch um etwas anderes: Einzelpersonen und Unternehmen geben jedes Jahr Milliarden von Dollar für Entwicklungshilfe aus. Trotz dieser Großzügigkeit reichen die Ressourcen schlicht nicht aus, um die größten Probleme dieser Welt zu lösen. In einer Welt, in der die Solidarität der Menschen von so vielen unterschiedlichen Seiten eingefordert wird, haben wir die moralische Verpflichtung, zusätzliche Mittel dort einzusetzen, wo sie das meiste bewirken. Und das gilt für unsere eigene kleine Spende genauso wie für Hilfsbudgets von Regierungen und Philanthropen.