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Der Hang zu Bailouts

WARSCHAU – In der scheinbar endlosen Debatte über die Haushaltsprobleme in der Eurozone konzentriert man sich übermäßig auf offizielle Bailouts, vor allem auf den vorgeschlagenen massiven Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank. Tatsächlich werden wir fast täglich – vom Internationalen Währungsfonds und anderen Institutionen – gewarnt, dass der Euro ohne die drastische Ausweitung dieser Rettungsbemühungen untergehen werde.

Für manche spiegeln sich in dieser Haltung die Vorteile wider, die sie durch derartige Ankäufe hätten. Für andere sind sie ein Ausdruck fehlgeleiteter Überzeugungen. Gläubiger unterstützen die Rettung von Schuldnerländern offenkundig, um sich selbst zu schützen. Auch viele Spitzenpolitiker begrüßen die offizielle Kreditvergabe in der Krise, die den Druck des Marktes auf ihre Länder lindern kann. Unterdessen florieren die Medien immer als Überbringer schlechter Nachrichten.

Auf der anderen Seite spiegeln sich fehlgeleitete Überzeugungen in Metaphern wie „Ansteckung“ und „Dominoeffekt“ wider, die implizit vermitteln, dass Finanzmärkte bei Störungen blind, ansteckend und unkritisch reagieren. Derartige Ausdrücke lösen die Angst aus, dass alle in Gefahr wären, wenn das Vertrauen in irgendein Land verloren geht.  

Aus dieser Logik folgt, dass nur erhebliche Gegenmaßnahmen – wie massive offizielle Interventionen – die unersättliche Dynamik der Finanzmärkte eindämmen können. Der weit verbreitete Einsatz von Ausdrücken wie „eine Bazooka auf die Eurozone richten“ und „wir oder sie“ offenbart eine alles durchdringende manichäische Sicht des Verhaltens der Finanzmärkte gegenüber Staaten.