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Die leise feministische Revolution in der arabischen Welt

MADRID – Arabische Gesellschaften erscheinen Außenstehenden oftmals starr und resistent gegen Veränderungen, weil diese ihren Blick auf die herrschenden Regime dieser Länder richten, die sich tatsächlich gegen Entwicklung und Wandel stellen. Allerdings ist dieses Bild beinahe das Gegenteil der Realität in arabischen Gesellschaften, wo eine enorme Dynamik vielen Arten des Wandels die Türen öffnet, wenn auch mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und auf komplexe und widersprüchliche Art – vor allem, wenn der Wandel von unten durch Maßnahmen von oben gebremst wird.

Man denke an arabische Frauen. Hier herrscht das Bild einer passiven, fremdartigen und verschleierten Frau in der Opferrolle vor, die auf Ereignisse reagiert, anstatt aktiv daran teilzunehmen. Sie ist das gesichtslose Objekt gängiger Stereotype, die kulturelle Vorurteile nähren.

Tatsächlich befinden sich arabische Gesellschaften in einem Prozess des immensen und unumkehrbaren Wandels, in dem Frauen eine entscheidende Rolle spielen. Aufgrund einer intensiven Urbanisierung und der Feminisierung der Arbeit in allen arabischen Ländern in den letzten fünfzig Jahren traten Frauen massiv in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Überall verringerten sich in dieser Zeit die Unterschiede hinsichtlich der Ausbildungsniveaus von Jungen und Mädchen  - obwohl durchaus in verschiedenen Geschwindigkeiten.  In vielen arabischen Ländern besuchen heute mehr Mädchen als Jungen Sekundarschulen oder höhere Bildungseinrichtungen. Dies zeigt, dass Eltern der Bildung ihrer Töchter ebenso viel Bedeutung beimessen wie der ihrer Söhne. Und alle Untersuchungen zeigen, dass junge Männer und Frauen eine abgeschlossene Ausbildung und einen Job haben möchten, bevor sie heiraten. (Außerdem wollen sie auch zunehmend ihre Partner selbst aussuchen.)