Bilanz des arabischen Frühlings

KAIRO – Die Ereignisse des letzten Jahres in Ägypten und Tunesien markierten das Ende einer wankenden alten Ordnung und, für einen Großteil der arabischen Welt, den Beginn einer lange erwarteten neuen Ära. Wie diese neue Ära allerdings aussehen wird, bleibt angesichts der zahlreichen Herausforderungen, vor denen die Region steht, eine über weite Strecken offene Frage.

Diese sich auflösende alte Ordnung betrifft nicht nur die ehemaligen Führungen. Das gesamte Wertesystem der Region – eine von Autokratie geprägte politische Kultur – unterliegt momentan einem Wandel. Arabische Männer und Frauen befreien sich von dem Gefühl der Erniedrigung und Minderwertigkeit, das ihnen der Despotismus vermittelte– und auch Verzweiflung, Wut, Gewalt und Isolation verstärkte.   

Obwohl bei weitem noch nicht abgeschlossen, trägt dieser Wandel bereits erste Früchte. Hätte es die Aufstände des Jahres 2011 nicht gegeben, stünde uns ein weiteres Jahr der Autokratie mit noch mehr Gerede über dynastische Nachfolge bevor. Für die gewöhnlichen Menschen, die Hauptleidtragenden der zunehmenden Korruption, wäre dies eine weitere Erniedrigung, da die Regierungsfunktionäre und ihre Günstlingskapitalisten weiterhin öffentliche Mittel abzweigen würden.

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