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Geschichtsvergessenheit der Makroökonomen

BERKELEY: Wenn Sie einen modernen Wirtschaftshistoriker wie mich fragen, warum die Welt gegenwärtig in einer Finanzkrise und einem tiefen Konjunkturabschwung steckt, wird er ihnen vermutlich sagen, dass dies nur die letzte Episode in einer langen Geschichte ähnlicher Blasen, Crashs, Krisen und Rezessionen, die mindestens bis zur Kanalbaublase der frühen 1820er Jahre, dem Zusammenbruch von Pole, Thornton ampamp; Co. 1825/26 und der darauf folgenden ersten industriellen Rezession in Großbritannien zurückreichen. Wir haben diesen Prozess noch bei vielen weiteren historischen Episoden erlebt –1870, 1890, 1929 und 2000.

Aus irgendeinem Grund geraten dabei die Preise für Vermögenswerte aus dem Gleichgewicht und steigen auf ein nicht aufrecht zu erhaltendes Niveau an. Manchmal sind daran miserable interne Kontrollmechanismen bei Finanzunternehmen schuld, die ihre Mitarbeiter für eingegangene Risiken übermäßig stark belohnen. Manchmal sind Staatsbürgschaften die Ursache. Und manchmal ist es einfach eine lange Glücksphase, die dazu führt, dass der Markt von übertriebenem Optimismus dominiert wird.

Dann kommt der Crash. Und wenn es so weit ist, verschwindet die Risikofreudigkeit: Jeder weiß, dass es enorme nicht realisierte Verluste bei den Vermögenswerten gibt, und keiner ist sich sicher, wo. Auf den Crash folgt die Flucht in die Sicherheit, und dann ein steiler Rückgang der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, da die Anleger Bargeld horten. Und dieser Rückgang der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes verursacht die Rezession.

Ich will nicht behaupten, dass dieses Muster für alle Rezessionen gilt; das tut es nicht. Was ich jedoch sagen will, ist, dass dies das Verlaufsmuster der gegenwärtigen Rezession ist und dass wir dasselbe schon früher erlebt haben.