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Die Zähmung des „Spekulationskapitalismus“

Vor kurzem wetterte Nicolas Sarkozy, der führende Kandidat bei der französischen Präsidentschaftswahl, gegen das, was er als „Spekulationskapitalismus“ bezeichnet, und sagte, er wolle „das Finanzgebiet moralisieren“, das durch den Euro geschaffen wurde. Was meint Sarkozy mit „Spekulationskapitalismus“? Anscheinend etwas Unmoralisches, aber was nur? Der Begriff wurde zuvor nur selten benutzt und scheint überflüssig zu sein. Schließlich ist Kapitalismus doch so etwas wie ein Synonym für Spekulation.

Sarkozy drückt damit eine Gefühlswallung aus, die weder für seine Partei noch für Frankreich ungewöhnlich ist. Bei seinen Kommentaren geht es um neue Vorstellungen und Haltungen, die die Wirtschaft des einundzwanzigsten Jahrhunderts beeinflussen werden. Deshalb sollten wir uns gut überlegen, was „Spekulationskapitalismus“ bedeutet.

Sarkozy hat den Freihandel als eine „Politik der Naivität“ bezeichnet und will verschiedene Maßnahmen einführen, die eine wirtschaftliche Globalisierung erschweren würden. Obwohl er den französischen Arbeitsmarkt beweglicher machen möchte, würde er ausländische Übernahmeangebote für französische Firmen abblocken und Airbus-Arbeiter vor dem möglichen Verlust ihrer Arbeitsplätze schützen. Frankreich vor dem Spekulationskapitalismus zu schützen, heißt anscheinend, in den Freihandel einzugreifen, um Arbeitsplätze vor Ort zu sichern.

Sicherlich macht Sarkozy zu recht auf die gewaltigen Risiken aufmerksam, denen Arbeitnehmer und ihre Gemeinden bei der rapide voranschreitenden Globalisierung ausgesetzt sind. Doch dieses Problem in den Mittelpunkt zu stellen, sollte nicht bedeuten, bestehende Arbeitsplätze um jeden Preis zu schützen.