21

Partei ergreifen im innerislamischen Krieg

PARIS – Der französische Premierminister Manuel Valls hatte recht als er kürzlich meinte, für den Dschihadismus gäbe es keine Entschuldigung. Die Ablehnung dieser Entschuldigungskultur, so Valls, hieße auch, der Versuchung zu widerstehen, sich eingehender mit Erklärungen zu den Beweggründen des Dschihadismus zu befassen.  

Und auch am 4. April war Valls beizupflichten, als er vor der Gefahr eines ideologischen Sieges des Salafismus warnte, jener, dem Dschihadismus zugrunde liegenden Doktrin, die Europa (und innerhalb Europas, Frankreich) als erstklassiges Missionierungsgebiet ausweist.   

Drei Jahrzehnte lang haben aufeinanderfolgende französische Regierungen sich der Verantwortung entzogen, eine derartige Debatte zu führen. Diese Passivität sicherte zwar auf kurze Sicht den sozialen Frieden, ermöglichte aber auch, dass in weiten Teilen französischer Städte Werte Fuß fassten, die nicht den Werten der Republik entsprechen. Dieser Entwicklung folgte vorsätzliche Blindheit, als sich die Regierungen der Einsicht verweigerten, dass es sich bei dem militanten islamischen Fundamentalismus eigentlich um Islamofaschismus handelte, die dritte weltweite Variante des Totalitarismus, den hartnäckige Kritiker ein Vierteljahrhundert lang angeprangert hatten.  

Begünstigt wurde dieses Versagen der Regierung durch die komplizenhafte Kurzsichtigkeit an den Rändern des politischen Spektrums. Im Jahr 2012 stellte Marine Le Pen, die Chefin des rechtsextremen Front National, das religiöse Symbol der Kippa auf eine Stufe mit dem politischen Zeichen der Verschleierung. Und erst diesen Monat behauptete die grüne Senatorin Esther Benbassa, dass ein Minirock nicht weniger befremdlich sei als ein Tschador.  Was taten Le Pen und Benbassa denn nun anderes, als eine Form der Barbarei salonfähig zu machen, deren gelegentlich menschliches Antlitz uns allerdings niemals vergessen lassen sollte, dass Menschen in ihrem Namen töten, verstümmeln und vergewaltigen?