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Taiwans Weg vom Unruhe- zum Friedensstifter

OXFORD – Wird die „harmonische Gesellschaft“, die der chinesische Präsident Hu Jintao fortwährend proklamiert, in Chinas Beziehungen zu Taiwan in die Praxis umgesetzt?

Bevor Ma Ying-jeou im Mai 2008 Präsident von Taiwan wurde (offiziell als Republik China bekannt), wurde Taiwan in China regelmäßig als „Unruhestifter“ dargestellt und war der Hauptgrund für Spannungen zwischen China und den Vereinigten Staaten. Da Taiwan keinen Ärger mehr macht, ist es inzwischen zu einer Art diplomatischer Nebenschauplatz geworden. Beim chinesisch-amerikanischen Strategie- und Wirtschaftsdialog hat Taiwan tatsächlich kaum Erwähnung gefunden, weil Nordkorea, Iran und der Wert des Renminbi die Aufmerksamkeit weitgehend für sich beanspruchten.

Es ist schon immer unfair gewesen die Taiwaner dafür zu dämonisieren, lediglich etwas zu wollen, was die meisten Menschen auf aller Welt für selbstverständlich halten: Die Wahrung ihrer grundlegenden Menschenrechte und ihrer Lebensweise, einschließlich des Rechts in einem demokratischen Prozess über ihre eigene Zukunft zu entscheiden.

China weist derartige Sentimentalitäten in Bezug auf Selbstbestimmung allerdings von sich. Zudem ist China als aufstrebende Macht keine Kraft, die Spitzenpolitiker, auch die demokratischen, leichterdings abtun würden. Seit Jahren hält Chinas regierende Kommunistische Partei daran fest, dass Taiwan für sie von „zentralem nationalen Interesse“ sei, trotz der Realität, dass Taiwan seit 60 Jahren praktisch als Staat existiert und funktioniert.