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Taiwan und China, wie gehabt

Warum ist Taiwans Beziehung zu China eine so widerspenstige Angelegenheit? Warum richtet China 500 Kurzstreckenraketen auf Taiwan, obwohl sie doch gemeinsame wirtschaftliche Interessen verfolgen - eine Millionen Taiwanesen leben auf dem Festland und arbeiten in etwa 50.000 Firmen, in die Taiwanesen mehr als 400 Milliarden Dollar investiert haben?

Die heranrückenden Präsidentschaftswahlen in Taiwan am 20. März geben aktuell Anlass zu Spannungen. Der Amtsinhaber, Chen Shui-bian, hat ein Referendumsverfahren eingeführt, das eines Tages angewendet werden könnte, um Taiwanesen zu fragen, ob sie die heute bestehende de facto Unabhängigkeit formell bekräftigen wollen. Das bringt China zur Raserei.

Schließlich sagte Mao Tse-tung im Jahr 1936 zu Edgar Snow: "Es ist Chinas unmittelbare Aufgabe, alle unseren verlorenen Territorien zurückzugewinnen", ausdrücklich eingeschlossen "Formosa". Seitdem versucht China, Maos Versprechen gerecht zu werden.

Chinas neue Führung legt in diplomatischen Dingen häufig neue Einsichtigkeit und Mäßigung an den Tag. Dennoch erklärte Luo Yuan, ein ranghoher Oberst an der Chinesischen Akademie der Militärwissenschaften, vor kurzem, dass Taiwans Führungsköpfe, wenn "sie sich weigern vernünftig zu werden und weiterhin Referenda als Entschuldigung für das Streben nach Unabhängigkeit benutzen, [ihre] Landsmänner in den Abgrund des Krieges stürzen werden."