Klimaforschung in den Klatschspalten

NEU DELHI – Neuerdings hat die Boulevardpresse Wissenschaftler für sich entdeckt, deren Forschungen das Ausmaß des weltweiten Klimawandels aufgedeckt haben. Erst war es der Skandal um durchgesickerte (von Computerhackern veröffentlichte) E-Mails aus dem Klimainstitut der britischen Universität von East Anglia. Jetzt macht die Mutmaßung die Runde, dass die Gletscher des Himalayas in Wirklichkeit gar nicht schrumpfen und somit auch nicht bis zum Jahr 2035 verschwunden sein werden.

Die erste Story erschien rechtzeitig kurz vor dem UN-Klimagipfel COP15 in Kopenhagen. Die zweite soll jede noch existierende Hoffnung auf die Unterzeichnung eines Nachfolgeabkommens für das Kyoto-Protokoll begraben. Diese rasch aufeinander folgenden, aufgeblähten Skandale haben der Glaubwürdigkeit der Beweise, die den Kampf gegen die Erderwärmung stützen, zumindest vorläufig einen schweren Schlag versetzt.

Aber wie gerechtfertigt sind diese Angriffe, insbesondere die Angriffe auf den Weltklimarat (IPPC), dem Gremium der Vereinten Nationen, das die Standardkriterien für die Analyse des weltweiten Klimawandels gesetzt hat? Ein bezeichnender Hinweis ist die Missachtung, die die so genannten Klimaskeptiker den Ist-Daten der Studie der indischen Regierung entgegenbringen. Diese Daten werden verwendet, um den Bericht des Weltklimarates und die tadellosen Referenzen des Wissenschaftlers Syed Iqbal Hasnain zu untermauern, der die Quelle des Besorgnis erregenden Zitats über den Himalaya ist. Hinzukommt die Schadenfreude, mit der Klimaschutz-Kritiker darüber herfallen eine Ikone der Bewegung zu zerstören, die gegen die Erderwärmung kämpft, den Nobelpreisträger R.K. Pachauri, dem sie finanzielle Motive bei seinen Untersuchungen unterstellen.

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