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Syrisches Roulette

JERUSALEM: Parlamentarische Manöver im Knesset und die jüngsten Kämpfe im Libanon haben die syrisch-israelischen Friedensgespräche auf Eis gelegt. Selbst die unilaterale Zusicherung Israels, die Armee noch in diesem Sommer aus dem südlichen Libanon abzuziehen, vermochte sie nicht wieder zu entfachen. Dieses Auf und Ab zeigt sehr deutlich die Schwierigkeiten, die in diesem Prozess stecken. Es reflektiert auch das Wesen des in sich geschlossenen Regimes Syriens, das noch nie so etwas wie eine Perestroika durchlaufen hat.

Der bedeutendste neue Punkt jedoch bleibt unverändert: Nach 50 Jahren Feindschaft hat Syrien seine Bereitschaft signalisiert, bezüglich der Aussöhnung mit dem Judenstaat Ägypten, Jordanien und der PLO zu folgen. So scheint es, als ob auch der 'Löwe von Damaskus' ("Assad" bedeutet Löwe in arabisch) nicht länger gewillt ist, sich den Veränderungen in der Region zu entziehen.

Drei Gründe haben den sonst so eiszeitlich anmutenden Präsidenten Hafez al-Assad zur Akzeptanz der Notwendigkeit eines Friedens mit Israel genötigt. Zunächst verlor Damaskus durch den Untergang des Sowiet Blocks den strategischen Schutz Moskaus. Wenn Syrien in Krieg mit Israel treten sollte und dann verliert - wie es in der Vergangenheit Hunderte von Tanks und Flugzeugen verloren hat - würde es keinen automatischen Nachschub aus Moskau geben. Kurz gesagt hat Syrien allein keine militärische Zukunft.

Zweitens möchte Syrien sich keinesfalls isoliert fühlen - weder innerhalb der arabischen Welt noch in der internationalen Szene. Dadurch, daß Ägypten, Jordanien und die Palästiner Frieden mit Israel geschlossen haben, würde man in die gleiche Kategorie wie Baghdad und Tripoli fallen - und das liegt ganz und gar nicht im Interesse von Assad. Zudem profitieren alle arabischen Staaten, die auf Frieden drängen, von verbesserten Beziehungen zu den Vereinigten Staaten (insbesondere wirtschaftliche Hilfe), wohingegen sich Syrien noch immer auf der amerikanischen Liste der terroristischen Staaten befindet. Auch hier erfährt Syrien durch den Wegfall der sowjetischen Macht große Verletzlichkeit. Wenn sogar die Verbündeten Assads in Teheran mit dem Westen über einen "Dialog der Zivilisationen" sprechen, dann müssen die Veränderungen in Damaskus noch viel grösser sein.