Die syrische Tragödie und das Dilemma des Westens

BERLIN – Die Verbindung der Androhung und Anwendung von militärischer Gewalt und Diplomatie wirkt, ganz entgegen der pazifistischen Lehrmeinung. Denn unter der Androhung einer amerikanischen Militäraktion scheint sich der syrische Präsident Assad mit Wladimir Putin auf einen Deal geeinigt zu haben: Tausche Giftgas gegen Machterhalt (ganz nebenbei wurde mit diesem Deal, der einem Geständnis gleich kommt, auch die Frage nach der Verantwortung für den Giftgasangriff  entschieden, dem am 21. August 2013 knapp 1500 Menschen zum Opfer gefallen sind. Es war Assad.) In Washington und den meisten anderen Hauptstädten Europas –also im Westen – ist man dennoch heilfroh, dass sich ein diplomatischer Ausweg aus einem nicht lösbaren Dilemma bietet, denn man war und ist auf die Syrienkrise nicht vorbereitet.

Die Menschen in Syrien bezahlen heute auf furchtbare Weise den Preis für die Lügen von Bush und Blair. Amerika will eigentlich nicht erneut militärisch intervenieren, auch wenn das Regime in Damaskus seine eigenen Bürger mit Giftgas umbringt. Das Land, ebenso wie Großbritannien, ist kriegsmüde, von der großen Mehrheit der anderen europäischen Nato Mitglieder ganz zu schweigen. Der Westen möchte sich nach einem Jahrzehnt Krieg in Afghanistan und im Irak zurückziehen und nicht einen weiteren Krieg im Nahen Osten führen, den er nicht gewinnen kann. Aber dieser Rückzug führt geradewegs in ein moralisches und politisches Dilemma.

Den USA bleiben in Syrien nur schlechte Optionen. Militärisch reinzugehen hat keine Perspektive und wird das Chaos nur noch vergrößern. Sich rauszuhalten wird zu dem fast identischen Ergebnis führen und zudem die Glaubwürdigkeit der USA in dieser Krisenregion dramatisch erschüttern mit schwerwiegenden Folgen für die Zukunft. Hinzu kommt die Eskalationsgefahr beim Einsatz chemischer Waffen.

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