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Der syrische Knoten

BERLIN – Seit vier Jahren tobt in Syrien ein blutiger Krieg: Was im Zusammenhang des „arabischen Frühlings“ als ein demokratischer Aufstand gegen die Diktatur Bashar Assads begann, hat sich seit längerem zu einem komplexen Knoten vielfältiger Konflikte entwickelt, die nicht nur das Land völlig zerstören, sondern in Syrien wird auch ein brutaler Machtkampf der wichtigsten Regionalmächte mittels Stellvertretern – Iran, Türkei und Saudi-Arabien – um die regionale Vorherrschaft ausgetragen, der die gesamte Region destabilisieren kann, wie auch das Beispiel Jemen zeigt. Darüber hinaus versucht Russland dort mittels seiner militärischen Intervention seinen Weltmachtstatus gegenüber dem Westen und besonders gegen Amerika auszubauen.

Der Konflikt in Syrien findet also mindestens auf drei Ebenen statt: lokal, regional und auch international; und der Verzicht der großen Mächte, diesen Konflikt zu begrenzen und einzudämmen, hatte schlimme Folgen: Nach Schätzungen der UN sind bisher ungefähr 250 000 Menschen ums Leben gekommen, im Sommer 2015 ging der UNHCR von vier Millionen Flüchtlingen außerhalb der syrischen Grenzen und von 7,6 Mio. Binnenvertriebenen aus. Der syrische Flüchtlingsstrom nach Europa stellt mittlerweile eine der größten Herausforderungen für die EU dar.

Der syrische Bürgerkrieg ist gegenwärtig auch die gefährlichste Brutstätte für den islamistischen Terrorismus, wie die Selbstmordanschläge des IS in Ankara, Beirut und Paris und das Bombenattentat auf ein russisches Zivilflugzeug in Ägypten bewiesen haben.

Zudem droht mittlerweile auch die Gefahr eines großen Konflikts zwischen den beteiligten Mächten, wie der Abschuss eines russischen Jagdbombers durch die türkische Luftwaffe belegt hat. Die Türkei ist NATO-Mitglied, und die NATO beruht auf der militärischen Beistandspflicht im Falle eines Angriffs auf ein Mitglied!