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Der Schutz des osmanischen Mosaiks

LONDON – Die vielen Konflikte im Nahen Osten wurzeln im Niedergang des Osmanischen Reiches zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Seit dieser Zeit konnte keine stabile regionale Ordnung mehr erreicht werden. Wenn sich die internationale Gemeinschaft bemüht, in der Region einen dauerhaften Frieden zu schaffen, sollten sich ihre Politiker an die Lehren der Geschichte erinnern.

Das Osmanische Reich – das sich einst von Bihać im heutigen Bosnien bis nach Basra im Irak erstreckte – wurde vom Sultan in Istanbul regiert und war ein reiches Mosaik sich vermischender Kulturen, Traditionen und Sprachen. Es war erstaunlich stabil und hat der Region über Hunderte von Jahren eine Basis des Friedens gegeben. Aber als es auseinander fiel, fand dies mit großer Gewalt statt.

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Der Prozess, Nationalstaaten aus dem Osmanischen Mosaik zu schneiden, begann im Balkan. Und dies war die Ursache von zwei Jahrzehnten verheerender Kriege – das erste zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts und das zweite in den 1990ern.

Während die osmanische Landkarte von ausländischen Mächten umgestaltet wurde, entstand in Mesopotamien und in der Levante eine neue Art von Ländern. Syrien und der Irak waren das Ergebnis von Verhandlungen über konkurrierende Interessen der Franzosen und der Briten. Die Griechen machten einen unglücklichen Versuch, Westanatolien zu erobern, und dies hat letztlich die Revolution ausgelöst, die zur Entstehung der modernen Türkei führte. Und mit der Balfour-Erklärung von 1917 – dem britischen Versprechen, in Palästina einen jüdischen Staat zu gründen – wurde die Grundlage für das Entstehen Israels im Jahr 1948 gelegt, dem Jahrzehnte voller Konflikte und Verhandlungen folgten.

Ein besonders heikler Teil des Spiels war es, eine Heimat für die osmanische Provinz Mossul zu finden, da sie von beiden neuen Regierungen im Irak und der Türkei jeweils für sich beansprucht wurde. Damals reiste eine Kommission der Liga der Nationen unter der Leitung eines schwedischen Diplomaten auf der Suche nach einer fairen Lösung durch die Region, scheiterte dann aber letztlich daran, eine saubere Trennlinie zu finden. Schließlich empfahl sie, die Provinz an den Irak zu geben, aber nur unter der Voraussetzung, dass der Irak für Jahrzehnte unter einem Mandat der Liga verblieb.

Seitdem hat sich über viele Kriege und Revolutionen hinweg immer wieder eine Wahrheit heraus kristallisiert: Innerhalb des osmanischen Mosaiks konnten keine klaren Trennlinien gefunden werden, anhand derer die Region problemlos in Staaten oder Einheiten mit homogenen ethnischen, nationalen oder religiösen Identitäten hätte aufgeteilt werden können. Diese Wahrheit zu verstehen ist sehr bedeutsam: Die regionale Ordnung nach dem Zusammenbruch des Reiches in Folge des Ersten Weltkriegs mag zwar beliebig sein, aber jeder Versuch, sie zu ändern, wird wahrscheinlich zu noch mehr Blutvergießen führen.

Eine Aufteilung des Irak in getrennte sunnitische und schiitische Staaten beispielsweise könnte leicht zur mesopotamischen Version der Tragödie des indischen Subkontinents von 1947 führen, als nach der Teilung Millionen von Menschen auf der Flucht nach Pakistan oder Indien gestorben sind. In der Tat wäre der Konflikt zwischen Arabern und Kurden, der auf jegliche Teilung des Irak folgen würde, sowohl blutig als auch langwierig, und hätte auch auf den Iran, die Türkei und Syrien mit ihren großen kurdischen Bevölkerungsanteilen schwerwiegende Auswirkungen. Ähnlich heftig würde der Kampf um die Macht über Bagdad geführt werden.

Eine Lösung des Konflikts in Syrien zu finden ist auch nicht einfacher. Ein Alawitenstaat entlang der Küste unter dem Schutz Russlands wäre vielleicht stabil, aber die Macht in Damaskus würde weiterhin heiß umkämpft. Auch die christliche Minderheit in Syrien könnte solchen Bemühungen zum Opfer fallen. Das Land beheimatet einige der weltweit ältesten christlichen Gemeinschaften, die zwar viel kleiner sind als in der Vergangenheit, aber in der Region immer noch unumstrittene historische Rechte haben. Sie gehören zum kleinen Teil des osmanischen Mosaiks, das im modernen Syrien bewahrt wurde, aber sollte der Staat scheitern, würden sie untergehen.

Sicherlich ist das osmanische Mosaik schwer beschädigt und löst sich langsam auf. Aber wenn sich auch die alten multikulturellen Handelsstädte Aleppo und Mossul vielleicht nie wieder erholen und aufblühen, sollte dies keine Entschuldigung dafür sein, die Region mit viel Blutvergießen entlang neuer Grenzen aufzuteilen.

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Im Zuge der Versuche der internationalen Gemeinschaft, das Chaos und die Konflikte im Nahen Osten zu beenden und eine regionale Ordnung für Frieden und Stabilität zu schaffen, sollten sich die Politiker bemühen, sich innerhalb des bestehenden Rahmens zu bewegen. Sollten Salonstrategen aus fernen Nationen glauben, diesen uralten Ländern saubere neue Grenzen verpassen zu können, stände dies im Widerspruch zur modernen Realität.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff