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Entwicklungshilfe der nächsten Generation

PRAG – In den nächsten 15 Jahren werden zwei Milliarden Kinder geboren, 90 Prozent davon in den ärmsten Ländern der Welt. Diesen Kindern einen besseren Start zu ermöglichen, wäre eine der größten Leistungen der Menschheit. Und dies zu tun, wäre auch einer der wirksamsten Nutzen der Ressourcen, die die Welt für Entwicklungshilfe bereitstellt.

Im kommenden Monat werden sich die Staats- und Regierungschefs der Welt in New York treffen, um sich auf die nachhaltigen Entwicklungsziele zu einigen: jene Ziele, die die 18 Millenniumsziele von 2000 ersetzen sollen. Die Liste der möglichen Ziele ist überwältigend lang: insgesamt sind es 169, für die Billionen von Dollars ausgegeben werden. Die Art und Weise, wie sie priorisiert werden, wird das Leben von Milliarden von Menschen entscheidend beeinflussen.

Aleppo

A World Besieged

From Aleppo and North Korea to the European Commission and the Federal Reserve, the global order’s fracture points continue to deepen. Nina Khrushcheva, Stephen Roach, Nasser Saidi, and others assess the most important risks.

Der Kopenhagener Konsens, eine Forschungsorganisation, die ich leite, hat 82 namhafte Ökonomen aus der ganzen Welt gebeten, eine Kosten-Nutzen-Analyse für die vorgeschlagenen Ziele durchzuführen, um herauszufinden, welche von ihnen in den nächsten 15 Jahren den größten Nutzen für die Menschen, die Erde und den globalen Wohlstand bringen würden. Und es stellte sich heraus, dass man am besten hilft, indem man das Leben der Kinder verbessert.

Unsere Analyse hat 19 Ziele identifiziert, die pro investiertem Dollar die höchste Leistung erzielen würden. Tatsächlich würde jeder Dollar, der für diese 19 Ziele ausgegeben würde, viermal so effektiv sein, als gäbe man denselben Betrag für alle 169 Ziele aus. Es ist nicht überraschend, dass zu den 19 effektivsten Zielen Interventionen gehören, die das Schicksal junger Menschen verändern, denn sie werden schließlich aufwachsen und die Arbeits- und Führungskräfte von morgen werden.

Chancen beginnen bei der Geburt - oder nicht. Obwohl die Kindersterblichkeit seit 1970 um zwei Drittel gesenkt wurde, stirbt noch immer eine horrende Anzahl an Kindern in den ersten Jahren ihres Lebens. 2013 starben 6,3 Millionen Kinder vor ihrem 15. Geburtstag. Fast ein Drittel waren Neugeborene, die sterben mussten, weil sie zu früh auf die Welt kamen oder aufgrund von Schwierigkeiten bei der Geburt.

Wir wissen aus Erfahrung, dass es völlig realistisch ist, eine Verringerung der Kindersterblichkeit von 70 Prozent anzunehmen, aber dass das teuer ist und die Errichtung von effizienten Gesundheitsdiensten erfordert, um vor, während und nach der Geburt eine hochwertige Betreuung zur Verfügung zu stellen. Trotzdem zeigt unsere Studie, dass das effektiv ausgegebenes Geld wäre. Wenn wir verschiedene weit reichende positive Auswirkungen berücksichtigen, stellt sich heraus, dass jeder Dollar, der für Neonatalpflege ausgegeben wird, Nutzen im Wert von ca. neun Dollar einbringt. Zu den zusätzlichen positiven Folgen gehören fähigere Gesundheitsdienste oder eine bessere Betreuung von Menschen allen Alters.

Wenn Kinder gesund bleiben und gut ernährt sind, hat dies ebenfalls einen großen Kosten-Nutzen-Effekt. Seit 1970 hat es die internationale Gemeinschaft geschafft, die meisten Kinder der Welt gegen Masern, Tetanus, Keuchhusten, Diphterie und Kinderlähmung zu impfen. Diese Interventionen retten gut drei Millionen Leben pro Jahr - eine großartige Leistung.

Aber es kann noch viel mehr getan werden. Für ca. 1 Milliarde Dollar pro Jahr könnten die Impfprogramme so ausgeweitet werden, dass sie Lungenentzündung und Durchfall bei Kindern verhindern können und jährlich mehrere Millionen Leben zusätzlich retten können. In wirtschaftlicher Hinsicht bedeutet das, dass jeder ausgegebene Dollar das Wohlbefinden der jüngsten Menschen auf der Erde entsprechend eines Wertes von 60 Dollar verbessern würde.

Der Kampf gegen Mangelernährung wäre ein weiterer effektiver Einsatz von Entwicklungsgeld. Kinder, die während der entscheidenden Phase ihres Lebens nicht genügend zu essen bekommen, entwickeln sich nicht richtig und sind für den Rest ihres Lebens benachteiligt. Sogar diejenigen, die insgesamt genügend Kalorien erhalten, können sich negativ entwickeln, wenn die entscheidenden Vitamine, Mineralien und Proteine fehlen.

Würde man es sich zum Ziel machen, die chronische Fehlernährung durch besseren Zugang zu Mikronährstoffen und ausreichend Nahrung um 40 Prozent zu senken, hätte das außerordentliche Folgen. Es würde dazu beitragen, dass sich die Gehirne der Kinder normal entwickeln, so dass sie länger zur Schule gehen können, mehr lernen und später im Leben produktiver sind. Jeder Dollar, der für bessere Ernährung junger Menschen ausgegeben wird, erzeugt 45 Dollar an sozialem Nutzen.

Die Verbesserung der Bildungsqualität ist ein anderes lohnenswertes Ziel, da auch die gesündesten und am besten ernährten Kinder Schwierigkeiten beim Lernen haben werden, wenn ihre Schulen unterdurchschnittlich sind. Natürlich ist die Verbesserung der Bildungsqualität nicht einfach, auch in reichen Ländern ist dies schwierig. Aber es ist außerordentlich lohnenswert, sich auf die sehr frühe Erziehung zu konzentrieren.

Das beste Bildungsziel wäre, die Anzahl der Kinder, die im Afrika südlich der Sahara, der ärmsten Region der Welt, die Vorschule besuchen, zu verdreifachen. Das ist nicht nur relativ günstig, es würde die Kinder auch mit einer lebenslangen Freude am Lernen ausstatten, die Chancen in ihrem Leben verbessern und für jeden investierten Dollar eine Rendite von 33 Dollar einbringen.

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Es ist moralisch richtig, dass jedes Kind die besten Chancen erhält, zu überleben, gut zu essen, gesund zu bleiben und eine Bildung zu erhalten. Jetzt wissen wir auch, dass dies zu den besten Investitionen gehört, die wir tätigen können. Gesunde, gut gebildete Kinder wachsen zu produktiven Erwachsenen heran, die besser für ihre eigenen Kinder sorgen können, wodurch eine positive Spirale entsteht, die dazu beiträgt, eine bessere, wohlhabendere Welt zu schaffen.

Aus dem Englischen von Eva Göllner.