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Überleben in der Ära Trump

NEW YORK – In gerade mal einem Monat hat es US-Präsident Donald Trump geschafft, in schwindelerregendem Tempo Chaos und Unsicherheit – und ein Ausmaß an Furcht, dass jeden Terroristen mit Stolz erfüllen würde – zu verbreiten. Es überrascht nicht, dass sich Bürger und Unternehmensführer, Zivilgesellschaft und Staatsapparat schwer tun, angemessen und effektiv zu reagieren.

Jede Sicht in Bezug auf den Weg voran ist notwendigerweise vorläufig, da Trump bisher noch keine detaillierten Gesetzesvorschläge gemacht hat und Kongress und Gerichte auf sein Trommelfeuer VOn Präsidentenerlassen noch nicht umfassend reagiert haben. Doch ist das Anerkenntnis von Unsicherheit keine Rechtfertigung für Realitätsverweigerung.

Im Gegenteil: Es ist inzwischen klar, dass Trumps Äußerungen und Tweets ernst zu nehmen sind. Nach der Wahl im November herrschte eine nahezu universelle Hoffnung, dass Trump den Extremismus, der für seinen Wahlkampf kennzeichnend war, aufgeben würde. Sicher, so die Annahme, würde dieser Meister der Irrealität eine andere Persona annehmen, wenn er nun die furchteinflößende Verantwortung übernehmen würde, die mit dem häufig als „mächtigste Position der Welt“ bezeichneten Amt einhergeht.

Etwas Ähnliches passiert mit jedem neuen US-Präsident: Unabhängig davon, ob wir für den neuen Amtsinhaber gestimmt haben oder nicht, projizieren wir unser Bild dessen, was wir uns von ihm wünschen, auf ihn. Doch während die meisten gewählten Amtsträger es begrüßen, allen alles zu sein, hat Trump keinen Zweifel gelassen, dass er beabsichtigt, zu tun, was er angekündigt hat: ein Einwanderungsverbot für Muslime, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko, die Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA), die Aufhebung der Dodd-Frank-Finanzreformen von 2010 und vieles weitere, das sogar seine Anhänger zurückgewiesen hatten.