Congolese woman cleans an area of land to start to cultivate crops JOHN WESSELS/AFP/Getty Images

Finanzielle Gleichberechtigung für afrikanische Bäuerinnen

NAIROBI – In der ganzen Welt führen soziale Bewegungen wie #MeToo und #TimesUp zu wichtigen Gesprächen über die ungleichen Bedingungen, denen die Frauen seit langer Zeit in allen Bereichen ihres Lebens ausgesetzt sind. In einigen Fällen führten diese Diskussionen bei der Behandlung von Frauen am Arbeitsplatz, zu Hause und anderswo in der Gesellschaft zu greifbaren Veränderungen.

Leider ging es dabei bis jetzt hauptsächlich um Frauen, die in den Stadtgebieten des Westens leben. Frauen auf dem Land, und insbesondere arme Bäuerinnen in Afrika südlich der Sahara, haben von der jüngsten Debatte über Geschlechtergleichheit noch nicht profitiert. Soll die afrikanische Geschlechterlücke jemals geschlossen werden, müssen die spezifischen Hindernisse, denen afrikanische Frauen ausgesetzt sind, in die weltweite Diskussion mit einfließen.

Afrika südlich der Sahara zählt zu den Regionen mit der weltweit geringsten Gleichheit zwischen den Geschlechtern. Laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) wird der Zugang von Frauen zu Gesundheitsleistungen und Ausbildung durch „Wahrnehmungen, Einstellungen und historische Geschlechterrollen” behindert. Diese Faktoren führen dazu, dass Frauen zu viel Verantwortung für die Familie haben und unter Diskriminierung am Arbeitsplatz und sexueller Gewalt leiden.

Aber das größte Hindernis für Geschlechtergleichheit in den Ländern südlich der Sahara ist Geld. Frauen haben einfach weniger davon. Laut Zahlen der Weltbank verfügen nur 37% der Frauen in der Region über ein Bankkonto, verglichen mit 48% der Männer. Zwar ist der Anteil bei beiden Geschlechtern gering, aber was wirklich Sorge bereitet, ist, dass der Abstand in den letzten Jahren größer geworden ist, obwohl sich der gesamte Wohlstand der Armen dieser Welt stetig erhöht hat.

Heute wird die afrikanische Landwirtschaft, der wichtigste Industriebereich des Kontinents, von Frauen dominiert. Dies schlägt sich allerdings noch nicht in einer größeren Kontrolle über die Finanzen nieder. Ein Maßstab für diesen Missstand ist die Kreditaufnahme: In Ostafrika, wo meine Organisation tätig ist, leihen sich Frauen 13% weniger Geld für landwirtschaftliche Aktivitäten als Männer. Dass Frauen weniger Zugriff auf landwirtschaftliche Finanzierungsmittel haben, liegt vor allem daran, dass ihr Recht auf Landbesitz eingeschränkt ist, ihre rechtliche Vertretung schwächer ist und dass sie weniger mobil sind.

Diese Hindernisse haben einen dramatischen Einfluss auf den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt. Der Mangel an Kapital erschwert Frauen den Zugang zu qualitativ hochwertigem Saatgut, Dünger und sogar Land, was wiederum zu einem Rückgang der landwirtschaftlichen Produktivität führt. Die Ernteerträge in der Region liegen weit unter dem globalen Durchschnitt. Ein Grund dafür ist, dass Frauen nicht genug Geld in ihre Tätigkeit investieren können.

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Auch auf der Makroebene ist die Ungleichheit der Geschlechter teuer. Dass Frauen zu wenig in die nationalen Volkswirtschaften integriert sind, kostet die Länder südlich der Sahara laut Schätzungen des UNDP zusammen jährlich 95 Milliarden Dollar an Produktivitätsverlusten. Wenn Frauen, die in Armut leben, nicht in der Lage sind zu arbeiten oder sich sozial zu engagieren, stagniert das Wachstum.

Haben Frauen allerdings Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten, geht der Nutzen weit über die Felder hinaus. Es ist erwiesen, dass eine höhere Finanzstärke der Frauen dazu führt, dass sie sich stärker an der lokalen Entscheidungsfindung beteiligen. Darüber hinaus trägt die finanzielle Beteiligung von Frauen zum Kampf gegen soziale Marginalisierung bei und verbessert das Wohlergehen von Familien. Haben Mütter eine gewisse Kontrolle über die Haushaltsfinanzen, geht es ihren Kindern besser, da sie ein geringeres Risiko haben, an Unterernährung zu sterben.

Angesichts dieser Vorteile ist die Frage nicht, ob Frauen im ländlichen Afrika einen besseren Zugang zu landwirtschaftlichem Kapital haben sollten, sondern, wie man es ihnen zur Verfügung stellen kann. Eine Lösung besteht darin, Programme zu entwickeln, die bei der Vergabe von Krediten unterschiedliche Bildungs- und Mobilitätsniveaus berücksichtigen. Sollen Mädchen und Frauen von Finanzierungsmöglichkeiten vollständig profitieren, muss auch soziale Diskriminierung berücksichtigt werden. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, auf erfolgreichen Mediationsbemühungen aufzubauen, die Frauen helfen, mit ihren Ehemännern über soziale Inklusion zu sprechen.

Aber eine der wichtigsten Änderungen betrifft die verantwortliche Leitung von Finanzinstitutionen. Böten Banken und Kreditinstitute Produkte an, die den Bedürfnissen der Frauen entgegen kommen, hätten mehr Frauen Zugriff auf finanzielle Ressourcen. Banken könnten beispielsweise besondere Kreditprogramme für Pflanzen auflegen, die traditionell von Bäuerinnen angebaut werden – wie Erdnüsse oder Sonnenblumen. Außerdem könnten die Finanzinstitute die weibliche Führung landwirtschaftlicher Kooperativen fördern und Märkte unterstützen, auf denen Frauen ihre Ernte verkaufen.

Beim aktuellen Stand der finanziellen Inklusion eine Geschlechtergleichheit zu erreichen, würde mehr als 200 Jahre dauern. Dies kann nicht akzeptiert werden. Die Fortschritte bei der Ermächtigung der Frauen müssen nicht derart langsam vor sich gehen. Richten Regierungen, internationale Akteure und die Finanzindustrie ihre Politik gemeinsam stärker auf Geschlechterthemen aus, könnte dieser Prozess beschleunigt werden.

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

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