Strukturelle Aufschwünge

Warum gibt es diese wirtschaftlichen Aufschwünge und Pleiten, diese langen Phasen zwischen Expansion und Verlangsamung der Wirtschaft? Traditionelle Erklärungen diesbezüglich konzentrieren sich auf eine mangelhafte Geldpolitik. Meine Untersuchung geht allerdings davon aus, dass es sich bei diesen Auf- und Abschwüngen für gewöhnlich um strukturelle Erscheinungen handelt, ein Ergebnis starker Erwartungen hinsichtlich der künftigen Produktivität und Rentabilität.

Im Zeitraum zwischen den beiden Weltkriegen haben sich große Aufschwünge durch Hyperinflation und durch eine tiefe Deflation ausgezeichnet. Deshalb ist es kein Wunder, dass es für die Österreichische, die Keynesianische und Monetaristische Schule immer hieß: „cherchez la monnaie”. Doch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben sich die langen Schwünge bei der ökonomischen Aktivität fortgesetzt, und das obwohl eher moderate Preis- und Inflationsmuster zu verzeichnen waren. In den 60er Jahren verschwand in einigen europäischen Ländern die Arbeitslosigkeit fast vollständig, doch trotzdem kam es zu keiner Zunahme der Inflation. In den 90er Jahren schwang sich die Beschäftigungsrate in verschiedenen Ländern Europas zu neuen Höhen auf, nichtsdestotrotz herrschte keinerlei oder eine nur geringe Inflation.

Ich sehe in diesen kräftigen Aufschwüngen Investitions-Aufschwünge, die strukturelle Ursachen und Auswirkungen haben. Unternehmer haben für die mittelfristige Zukunft neue Gelegenheiten für eine rentable Verwendung von Kapital vorhergesehen. Dementsprechend haben sie die Investitionen auf dem Gebiet neuer Einrichtungen, neuer Kundenbindungen und auf dem Gebiet der Neueinstellungen erhöht. Die meisten Geschäftsinvestitionen führen durch nicht-monetäre Kanäle und haben eine höhere Beschäftigungsrate zur Folge – und das ohne jegliche inflationäre Überhitzung.

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