2

Euro-Lektionen für Ostasien

SEOUL – Ostasien kann aus der Eurozonen-Krise zwei wertvolle Lektionen lernen. Erstens, den Prozess der finanziellen und monetären Integration nicht zu überstürzen, und zweitens, vorher adäquate institutionelle Rahmenbedingungen zu schaffen.

Natürlich ist es unwahrscheinlich, dass Ostasien in naher Zukunft ein regionales System fester Wechselkurse oder eine Währungsunion mit einer Einheitswährung einführt, da die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen in der Region sehr unterschiedlich sind. Die Entwicklung von Institutionen zur Förderung finanzieller Integration wie einer zentralen Bankaufsichtsbehörde in der Art, wie sie jetzt in der Europäischen Union eingeführt wird, ist in Ostasien vielleicht in ein paar Jahrzehnten vorstellbar.

Aber trotzdem sollten die asiatischen Politiker die Kooperationsmechanismen zur Krisenvorsorge und -bewältigung verbessern. Am vielversprechendsten ist die Chiang Mai Initiative Multilateralization (CMIM) der ASEAN+3 – der zehn Mitglieder der Organisation Südostasiatischer Staaten plus China, Japan und Südkorea. Dieser 120 Milliarden USD starke Geldreservetopf wurde 2010 eingeführt, um Mitglieder in Notfällen mit kurzfristiger Liquidität versorgen zu können.

Die ASEAN+3 stärken die CMIM nun, indem sie die Geldreserve auf 240 Milliarden Dollar verdoppeln. Außerdem stimmte die Gruppe überein, die Flexibilität der CMIM zu erhöhen, indem der Mindestanteil der Kreditvergabe im Krisenfall, der an das Kreditvergabeprogramm des Internationalen Währungsfonds gebunden ist, von 80% auf 70% gesenkt wird.