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Die Abkoppelung des Aktienmarktes

CAMBRIDGE – Warum schießen die Bewertungen an den Aktienmärkten in die Höhe, wenn die Realwirtschaft so anfällig bleibt? Ein Faktor ist zunehmend deutlich geworden: Die Krise hat Kleinunternehmen und einkommensschwache Arbeitnehmer im Dienstleistungssektor überproportional getroffen. Diese sind für die Realwirtschaft unverzichtbar, für die Aktienmärkte allerdings weniger. Natürlich gibt es noch andere Erklärungen für die heutigen hohen Bewertungen, aber jede hat ihre Grenzen.

So könnten die aktuellen Aktienkurse, da die Aktienmärkte zukunftsorientiert agieren, den Optimismus über die unmittelbar bevorstehende Ankunft wirksamer COVID-19-Impfstoffe und radikal verbesserter Test- und Behandlungsmöglichkeiten widerspiegeln, die begrenztere und nuanciertere Lockdown-Strategien ermöglichen würden. Diese Aussicht mag begründet sein, oder es könnte sein, dass die Märkte die Wahrscheinlichkeit einer schweren zweiten Welle in diesem Winter unter- und Wirksamkeit und Auswirkungen der Impfstoffe der ersten Generation überschätzen.

Eine zweite, vielleicht überzeugendere Erklärung für die heutige Aktienmarktentwicklung ist, dass die Notenbanken die Zinsen fast bis auf den Nullpunkt gedrückt haben. Die Überzeugung der Märkte, dass die Chancen auf einen Zinsanstieg auf absehbare Zukunft gering sind, haben die Preise für langlebige Vermögenswerte wie Häuser, Kunstwerke, Gold und sogar Bitcoins in die Höhe getrieben. Und weil die Umsatzströme der Technologieunternehmen größtenteils weit in der Zukunft liegen, haben diese überproportional von den niedrigen Zinsen profitiert.

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