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Das chinesische Wachstumsrätsel

NEW HAVEN – Wieder einmal sind aller Augen auf die Schwellenländer gerichtet. Lange Zeit waren sie die Lieblinge der globalen Wachstumslotterie, doch nun, Anfang 2014, wird auf sie eingeprügelt. Der Eindruck der Widerstandskraft ist der Furcht vor Schwäche gewichen.

Dass die US Federal Reserve ihre beispiellosen Liquiditätsspritzen auslaufen lässt, war ein offensichtlicher und wichtiger Auslöser. Schwellenländer, die übermäßig abhängig von den globalen Kapitalflüssen sind, vor allem Indien, Indonesien, Brasilien, Südafrika und die Türkei, haben es schwerer, ihr Wirtschaftswachstum zu finanzieren. Doch das Händeringen um China spielt eine ähnlich große Rolle. Die seit Langem bestehenden Sorgen über die befürchtete „harte Landung“ der chinesischen Wirtschaft haben sich verstärkt.

Mitten in der Krise ist Verallgemeinerung die Norm; am Ende lohnt es sich jedoch zu differenzieren. Anders als die zu Defiziten neigenden Schwellenländer, die derzeit in Schwierigkeiten stecken (und deren Ungleichgewichte stark an die der asiatischen Volkswirtschaften erinnern, die von der Finanzkrise in den späten 1990er Jahren betroffen waren), verzeichnet China einen Leistungsbilanzüberschuss. Infolgedessen besteht kein Risiko für Portfolio-Abflüsse aufgrund der Drosselung der monatlichen Wertpapierkäufe durch die Fed. Und natürlich bietet Chinas überdimensioniertes Schutzpolster von 3,8 Billionen US-Dollar Devisenreserven viel Sicherheit für den Fall einer stärkeren finanziellen Ansteckung.

Zwar wird Chinas Wirtschaftswachstum derzeit langsamer, aber was das bedeutet, ist vielen nicht ganz klar. Der Konjunkturrückgang hat nichts mit den Problemen in anderen Schwellenländern zu tun; tatsächlich ist er eine begrüßenswerte Entwicklung. Es ist für China weder wünschenswert noch machbar, zu einem jährlichen Wachstum von 10 % zurückzukehren, das es in den drei Jahrzehnten nach 1980 erreicht hat.