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Südkoreas aufkeimende Femokratie

TOKIO – Dieses Jahr ist ein Jahr der weltweiten Präsidentschaftswahlen, und die letzte – am 19. Dezember – findet in Südkorea statt. Sie hat bereits jetzt internationale Auswirkungen – unter anderem darum, weil die politischen Kampagnen als Grund für das Scheitern Südkoreas bei dem Versuch, einen wichtigen neuen Vertrag zur gemeinsamen Nutzung geheimdienstlicher Informationen mit Japan abzuschließen, gesehen wird. Aber die Wahl könnte durchaus auch einen positiven Einfluss auf die Region als Ganze haben.

Am 10. Juli hat die Spitzenkandidatin der Regierungspartei Saenuri (Neue Grenze) als erste ihre Kandidatur bekannt gegeben. Viel Aufmerksamkeit erhielt, neben den anderen Oppositionskandidaten, auch Ahn Cheol-soo, Dekan der Graduate School of Convergence Science and Technology an der Seoul National University, ein erfolgreicher Unternehmer, der auf Südkoreas junge und unabhängige Wähler sehr charismatisch wirkt.

Aber das größte Interesse hat bislang Park auf sich gezogen. Unter konservativen Wählern bestehen große Erwartungen an sie, insbesondere bezüglich ihrer Politik gegenüber Nordkorea, einem Land, das so unberechenbar ist wie eh und je. (Man denke nur an Kim Jong-uns plötzliche Entlassung des führenden Militäroffiziers Ri Yong-ho, seine Selbsternennung als Marschall, und die Enthüllung, dass er eine Frau geheiratet hat, die zuerst mit ihm zusammen bei einem Konzert mit Disneys Micky und Minnie Maus gesehen wurde.) Park hat erkannt, dass die Wählerschaft ihren außenpolitischen Instinkten vertraut, und bislang niemanden in ihre Nordkorea-Karten schauen lassen.

Für viele Südkoreaner ist Park eine tragische Heldin. Sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater, Präsident Park Chung-hee, wurden ermordet, in den Jahren 1974 und 1979. Tatsächlich wurde ihr Vater von seinem eigenen Geheimdienstchef ermordet, dem KCIA-Direktor Kim Jaegyu.