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Die Söhne der Mau-Mau-Kämpfer

WASHINGTON – Im letzten Januar schien Kenia in den Wahnsinn abzugleiten. Diese Szenen kehren wie aus einem Alptraum zurück: Kinder wurden in brennenden Kirchen massakriert, der Mob setzt in den Slums der Städte willkürlich Macheten ein, ein Land am Rande des Zusammenbruchs. Als sich die Lage beruhigte, waren über 1500 Menschen getötet worden und über 400.000 geflohen – nach einer Wahl, die Beobachter als manipuliert betrachten.

Durch die Zwangsheirat zwischen dem ethnisch den Kikuyu angehörigen Landespräsidenten Mwai Kibaki und seinem Luo-Herausforderer Raila Odinga, der das Amt des Ministerpräsidenten erhielt, wurde Kenia vor dem Abgrund gerettet. Die vom früheren Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan und den westlichen Mächten geförderte Machtenteilung in der Regierung hat das Land stabilisiert und den Kenianern in einem schweren Jahr, in dem die Preise für Nahrungsmittel und Benzin in die Höhe geschossen sind und die Dürre den Norden plagte, Hoffnung gegeben.

Doch wenn die Regierung Erfolg haben und weitere Gewalt verhindern will, muss Kenia die Wurzeln seines Wahlchaos angehen. Dazu zählen u. a. Armut, Stammeskonflikte und die Tatsache, dass das Land die Vision seines ersten Präsidenten, Jomo Kenyatta, nicht umgesetzt hat.

Bei einer Rede 1952 – vor der Unabhängigkeit – sagte Kenyatta: „Es gibt keinen bekannten Fall in der Geschichte, in dem ein Land ohne Gleichheit erblüht wäre. Solange Menschen unterdrückt werden, ist sicher, dass die Korruption steigt, und die einzige Antwort darauf ist eine Politik der Gleichheit. Wenn wir als Einheit zusammenarbeiten, müssen wir Erfolg haben.“