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Die demografische Herausforderung

BRISBANE – Beim Gedanken an das „Bevölkerungsproblem“ kommt vielen vor allem schnelles Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern in den Sinn. Tatsächlich nimmt das Bevölkerungswachstum weltweit ab und wird sich im weiteren Verlauf dieses Jahrhunderts voraussichtlich stabilisieren. Obwohl wir es uns nicht leisten können, die Tatsache zu ignorieren, dass Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge Mitte des Jahrhunderts weltweit 2,4 Milliarden Menschen mehr zu ernähren sein werden, gibt es ein weiteres Bevölkerungsproblem, das ebenfalls besondere Aufmerksamkeit verdient: große Inseln des Bevölkerungsrückgangs.

In Industrieländern steigt nicht nur der Anteil älterer Menschen. Die Geburtenraten sind so niedrig, dass die Gesamtbevölkerung schrumpft. Während die steigende Lebenserwartung als wesentlicher Faktor für diesen Wandel gefeiert werden sollte, müssen wir uns den problematischen Konsequenzen widmen: Eine sinkende Anzahl von Menschen im erwerbsfähigen Alter ist gezwungen, eine steigende Anzahl von Rentnern zu unterstützen.

Unterdessen ist in Entwicklungsländern das Gegenteil der Fall, und zu vielen jungen Menschen fehlt es an Beschäftigungsmöglichkeiten – oder zumindest an qualitativ hochwertigen Arbeitsplätzen in Vollzeit. In nicht allzu ferner Zukunft werden sich auch diese Länder den Problemen einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung gegenübersehen. Doch im Moment haben sie eine Vielzahl von Bürgern im erwerbsfähigen Alter – und diese Menschen brauchen Arbeitsplätze.

Tatsächlich sind diese gegensätzlichen Trends eine ideale Möglichkeit, die globale demografische Entwicklung wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Industrieländer könnten ihre schwindende Erwerbsbevölkerung durch junge Menschen aus Entwicklungsländern stärken, indem sie Migrationsbeschränkungen lockern. Die Steuern dieser Arbeitsimmigranten würden Industrieländern helfen, Leistungen für ältere Menschen zu finanzieren und ihre Überweisungen in die Heimat würden ihren Herkunftsländern zugutekommen.