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ngumbi3_FLORENT VERGNESAFP via Getty Images_soilafricafarm Florent Vergnes/AFP via Getty Images

Ein Preisschild für die Böden

URBANA, ILLINOIS – Der 5. Dezember war Weltbodentag. Das Motto für 2019 – „Stoppt die Bodenerosion, rettet unsere Zukunft“ – war gewählt worden, um für die Schäden zu sensibilisieren, die dem Erdreich weltweit zugefügt werden, und um den Prozess zur Umkehr dieses Trends einzuleiten. Aber wie bringt man die Menschen dazu, sich für den Boden zu interessieren?

Dass sie das tun sollten, darüber besteht kein Zweifel. Man kann die Bedeutung des Bodens für die menschliche Zivilisation gar nicht hoch genug einschätzen – er ist in allem, was wir anfassen, präsent. Ein gesunder Boden ist die Grundlage der Landwirtschaft, der bäuerlichen Produktivität und der nationalen Volkswirtschaften. Er bringt gesunde Nahrungsmittel hervor, reduziert den Verlust von Nährstoffen in Wasserläufe, verringert Treibhausgasemissionen, erhöht die Kohlenstoffbindung und stärkt die Artenvielfalt, und er versetzt bei all dem noch die Anbaupflanzen in die Lage, mit dem sich wandelnden Klima zurechtzukommen. Insofern sollte man den Boden als Naturkapital und als nationalen und strategischen Vermögenswert betrachten, mit dem man klug haushalten muss.

Aber überall auf der Welt lässt man die Böden erodieren, austrocknen und verkommen, weil das Land schlecht genutzt wird und die Nährstoffe im Boden durch intensive landwirtschaftliche Bewirtschaftung dezimiert werden. Andere zu einem schlechten Bodenzustand und zur Erosion beitragende Faktoren sind die Entwaldung, der übermäßige Einsatz von Stickstoffdüngern und die Überweidung. Auf Dauer entziehen diese Praktiken den Böden im wahrsten Sinne des Wortes das Leben.

Es ist Zeit, diesen schädlichen Trend umzukehren. Dies bedeutet, die Bodenerosion und andere Praktiken zu stoppen, die unsere Böden – und die Milliarden darin lebender Mikroorganismen und Organismen – ihrer Gesundheit berauben. Die Frage ist also, wie man mehr Menschen dazu bewegt, dies wichtig zu nehmen.

Eine Möglichkeit, sicherzustellen, dass nationale Regierungen und Bürger die Böden und den ihnen innewohnenden Wert würdigen, besteht darin, sie mit einem wirtschaftlichen Preisschild zu versehen. Überzeugende aktuelle Belege deuten darauf hin, dass sich durch pflegliche Behandlung der Böden hohe Gewinne erzielen lassen.

So zeigte ein im Juli vom Croatan Institute veröffentlichter, primär an Investoren, Landwirte, Unternehmer und Philanthropen gerichteter Bericht Anlagemöglichkeiten im Bereich der nachhaltigen Lebensmittelproduktion und Landwirtschaft in Höhe von mehr als 320 Milliarden Dollar auf, darunter 70, mit einem Wert von 47,5 Milliarden Dollar, im Bereich der regenerativen Landwirtschaft. In ähnlicher Weise legte ein 2017 in Nature veröffentlichter Artikel überzeugende wirtschaftliche Argumente dafür vor, dass die Profite der Unternehmen und ihre Fähigkeit zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit eng mit der Gesundheit des Bodens verknüpft sind, was nahelegt, dass die Verringerung von Bodenschäden wirtschaftliche Risiken mindert.

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Dem Boden ein Preisschild zu verpassen ist der richtige Weg zur Förderung der notwendigen Bemühungen. Die regenerative Landwirtschaft umfasst neben vielen anderen Prinzipien nachhaltige landwirtschaftliche Bewirtschaftungsverfahren wie eine reduzierte Bodenbearbeitung, Grünbrachen, Zwischenfruchtanbau, diversifizierte Fruchtfolgen, Umtriebsbeweidung, Kompostierung und das Mulchen. Ziel dabei ist, eine Erhöhung und Diversifizierung der organischen Bodenbestandteile herbeizuführen und so die Gesundheit des Bodens zu fördern und durch Bindung von Kohlenstoff den Klimawandel abzumildern.

Genauso wichtig ist es, die Auswirkungen und Vorteile für Landwirte aufzuzeigen, die derartige Praktiken umsetzen. Die Wirkung, die sich durch diese Verfahren erzielen lässt, muss stärker dokumentiert werden. Messgrößen zur Dokumentation der Auswirkungen können beispielsweise erfassen, wie sich der Bodenzustand verbessert oder wie viel regenerativer Höfe sind, die Kohlenstoff im Boden speichern.

Und während wir diese Auswirkungen aufzeigen, sollten wir zugleich die Aufmerksamkeit auf Organisationen lenken, die eine Führungsrolle bei der Verbesserung der Böden einnehmen. Food Tank etwa hat die Namen von 15 Organisationen aus aller Welt veröffentlicht, die an der Verbesserung des Bodenzustands arbeiten. Ihre Bemühungen umfassen die Zusammenführung von Wissenschaftlern und Politikern zur Bekämpfung von Bodenverlusten und zur Steigerung der Artenvielfalt im Boden sowie den Einsatz des Geschichtenerzählens und anderer Formen kreativer Kommunikation, um die Verbraucher für die Verbindungen zwischen dem Zustand der Böden, der Sicherheit der Lebensmittelversorgung und dem Klima zu sensibilisieren. Im Jahr 2018 hat Food Tank Organisationen vorgestellt, die eine regenerative Landwirtschaft fördern, darunter das besonders für seine Rolle beim Eintreten für regenerative Praktiken bekannte Rodale Institute sowie Soil4Climate, einen weiteren Vorreiter bei dem Bemühen zur Förderung der Bodensanierung.

Um auch die Normalbürger zu ermutigen, sich zu engagieren, müssen wir viele weitere Organisationen und Länder dazu anregen, die Böden wichtiger zu nehmen, und zugleich durch Initiativen wie die Plattform der Vereinten Nationen zur Bekanntmachung von Initiativen zur Verbesserung des Bodenzustands weltweit für die Bedeutung des Bodens sensibilisieren.

Um das Potenzial regenerativer landwirtschaftlicher Bewirtschaftungsverfahren und anderer Maßnahmen zur Verbesserung des Bodenzustands voll auszuschöpfen, bedarf es dringend zusätzlicher datengestützter Belege, um u. a. Skalierungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Wissenschaft muss mehr denn je mit den Landwirten zusammenarbeiten, um Fragen zu beantworten und Hindernisse auszuräumen, die verhindern, dass mehr Menschen derartige Praktiken übernehmen.

Um das Motto des Weltbodentags 2019 wieder aufzunehmen: Der Zeitpunkt, um den Trend zur Bodenerosion umzukehren, ist jetzt. Durch überzeugende wirtschaftliche Argumente dafür, warum Landwirte regenerative landwirtschaftliche Verfahren einführen sollten, und indem wir den Auswirkungen derartiger Verfahren einen Geldwert zuweisen, können wir die Böden der Welt – und damit letztlich unsere eigene Zukunft – retten.

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