13

Die autoritäre Versuchung

NEW YORK – Im August vor 24 Jahren unternahmen sowjetische Hardliner den verzweifelten Versuch, den sich abzeichnenden demokratischen Übergang des Landes aufzuhalten, indem sie Michail Gorbatschow festsetzten und den Ausnahmezustand ausriefen. Daraufhin gingen Millionen von Menschen in Moskau auf die Straße und es kam zu Protesten in Städten in der ganzen Sowjetunion. Schlüsselfiguren der Armee weigerten sich, den Putsch zu akzeptieren, der schon bald darauf scheiterte – dicht gefolgt vom Zerfall der Sowjetunion.

Trotz der miserablen Wirtschaftslage in den letzten Monaten der UdSSR, konnten die Menschen die Freiheiten erkennen, die kommen würden und waren, anders als heute, bereit für sie einzutreten. Tatsächlich sind die meisten ehemals kommunistischen Wähler in den frühen Jahren des anschließenden demokratischen Übergangs nicht der Versuchung erlegen, Extremisten zu wählen, die versprachen den schweren Zeiten ein Ende zu setzen, die sie erduldeten. Stattdessen fiel ihre Wahl normalerweise auf den vernünftigsten Kandidaten, der zur Verfügung stand.

Wladimir Schirinowski etwa, einem clownesken, Donald Trump-artigen Nationalisten und Antisemiten, wurde eine Abfuhr zugunsten von Boris Jelzin erteilt, der die Panzer während des gescheiterten Putsches von 1991 zum Zurückweichen gezwungen und erkannt hatte, dass die Zukunft seines Landes in der Demokratie und im Westen liegt. In Rumänien verlor der extremistische Lyriker Corneliu Vadim Tudor gegen eine Reihe von korrupten Pragmatikern, angefangen bei Ion Iliescu, der den Sturz Nicolae Ceaușescus, des letzten kommunistischen Staatspräsidenten des Landes, angeführt hatte.

Seitdem ist die Welt auf den Kopf gestellt worden. Während das Leben einfacher geworden ist und die materiellen Erwartungen der Menschen weitgehend erfüllt werden, haben Wähler zunehmend Neo-Autokraten favorisiert, die versprechen, die Menschen vor dieser oder jener Bedrohung zu „schützen“. Angeführt wird diese Gruppe, natürlich, vom russischen Präsidenten Wladimir Putin, doch da wären auch noch der ungarische Ministerpräsident ViktorOrbán und der tschechische Präsident Miloš Zeman. Zudem erstreckt sich dieser Trend über die ehemals kommunistischen Länder hinaus und umfasst, unter anderem, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.