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Schattenspiel der Großbanken

WASHINGTON, DC – Einer der großen Mythen, der von den sehr großen Finanzinstituten propagiert wird, ist, dass sich viele Anleger und Finanztransaktionen, wenn die Finanzinstitute wieder effektiv reguliert würden, in den „Schattenbankensektor“ flüchten würden.

Das klingt schlimm. Alles, was sich im Schatten abspielt, muss in finsterer Absicht geschehen, potenziell gefährliche Konsequenzen haben oder beides. Und seine Schattenhaftigkeit impliziert, dass man nichts dagegen tun kann – was auch immer da ist, muss sich außerhalb der Reichweite von Regulierungsbehörden oder einer wirksamen Aufsicht befinden. Also würden die Risiken für das Finanzsystem vielleicht wachsen und gar nicht abnehmen, wenn wir die sehr großen Nicht-Schattenbanken einer ordnungsgemäßen Regulierung unterzögen.

Soviel zu furchterregenden Märchen. In Wahrheit gibt es drei Arten von „Schattenaktivitäten“, die alle offensichtlicher Art sind, für alle sichtbar ablaufen und auf unkomplizierte und verantwortliche Weise der Kontrolle unterzogen werden könnten. Ob der politische Wille vorhanden ist, effektive Kontrollen umzusetzen, ist, wie immer, eine andere Frage – vor allem, weil die Großbanken sehr mächtig sind und es gern hätten, wenn es im Schatten so schattig bliebe wie das derzeit der Fall ist.

Die erste Gruppe der Schattenaktivitäten umfasst jene, die von den Banken selbst durchgeführt werden, etwa um die Höhe des benötigten Eigenkapitals zu verringern. Die Leute, die die Großbanken betreiben, arbeiten gern mit Fremdkapital: Mehr Kreditaufnahmen (und weniger Eigenkapital) bedeuten, dass sie wenn alles gut geht (ohne Risikobereinigung) eine höhere Kapitalrendite erzielen. Es bedeutet auch – wenn die Dinge schlecht laufen – höhere Verluste. Diese freilich sind der Grund, warum es gut ist, groß zu sein – man bekommt dann mehr Schutz von der Federal Reserve oder anderen offiziellen Stellen.