Die 2. Eroberung Washingtons

WASHINGTON, DC – Vor 200 Jahren wurde die amerikanische Hauptstadt Washington von britischen Truppen eingenommen, die dann die offiziellen Gebäude, darunter das Weiße Haus, das Finanzministerium und das Kongressgebäude, in Brand setzten. Heute sind es inländische Interessengruppen – riesige Großbanken –, die Washington erobert haben. Und die Kosten dürften deutlich höher ausfallen als 1814.

Amerikas größte Banken-Holdings erhalten eine stillschweigende staatliche Subvention, weil sie als systemrelevant gelten. Bedingt durch die Notwendigkeit, einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern, lassen die Behörden einen Zahlungsausfall der größten Banken – sei es durch Konkurs oder anderweitig – nicht zu. Diese Doktrin zeigte sich Ende 2008 und Anfang 2009 deutlich und ist nach wie vor in Kraft.

Diese faktische Befreiung von Konkursrisiken bedeutet, dass jeder, der den größten sechs Banken einen Kredit einräumt, eine Art staatlicher Bürgschaft erhält – eine kostenlose Absicherung gegen das Risiko einer Katastrophe. Dies erlaubt es diesen Banken, sich in höherem Maße durch Fremdmittel zu finanzieren, und dies zu besseren Bedingungen (aus ihrer Sicht). Insbesondere betreiben ihre Geschäftsführungen äußerst undurchsichtige Firmen, bei denen die Risiken für Außenstehende praktisch nicht erkennbar sind und die über sehr wenig Eigenkapital verfügen, um Verluste aufzufangen. Einfach ausgedrückt: Ohne die staatliche Absicherung könnten diese undurchsichtigen Finanzimperien nicht existieren.

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