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Systemische Risiken ernst nehmen

WASHINGTON, DC – Es gibt zwei führende Ansichten über das Finanzsystem der Welt. Die erste, die man zumeist von den Chefs führender globaler Banken und ihren Partnern hört, lautet, dass das System sicherer ist, als es je war. Dieser Ansicht zufolge können die Ereignisse, die zur globalen Finanzkrise führte, welche 2008 ausbrach, nicht noch einmal geschehen; der Reformprozess war erfolgreich.

Dagegen äußert eine wachsende Gruppe aktueller und ehemaliger Funktionäre weiterhin ihre Bedenken hinsichtlich aktueller und potenzieller zukünftiger Risiken in den Vereinigten Staaten, Europa und der ganzen Welt. US-Finanzminister Jack Lew nannte dieses Argument in einer neuerlichen Anhörung vor dem Kongress, als er erklärte, warum der Financial Stability Oversight Council (FSOC) befugt werden sollte, abzuwägen, ob eine beliebige Firma oder Aktivität ein Risiko für das größere System darstellen könnte.

Und eine herausragende neue Stimme hat sich ins Getümmel gestürzt – Kara Stein, eine Beauftragte der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde (Securities and Exchange Commission, SEC). Stein hielt im Juni eine einschneidende Rede, in der sie argumentierte, dass das systemische Risiko für die Finanzmarktaufsicht stärker in den Mittelpunkt rücken müsse.

Mit systemischem Risiko sind Probleme gemeint, die sich auf verschiedene Arten von Firmen und Märkten ausbreiten, häufig in unerwarteter Weise und manchmal sehr schnell. Das vielleicht bekannteste Beispiel von 2008 ist, wie das Versagen der Investmentbank Lehman Brothers beinahe den unmittelbaren Zusammenbruch des Versicherungsunternehmens AIG verursacht hätte, während es auch zu einem enormen Druck auf offene Geldmarktfonds führte.