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The Fed im Verleugnungsmodus

WASHINGTON, DC – Das Federal Reserve System der Vereinigten Staaten ist eine der mächtigsten Regierungsorganisationen der Weltgeschichte. Die nordamerikanische Zentralbank kontrolliert die Versorgung mit US-Dollar und hat großen Einfluss auf die Zinssätze für kurz- und langfristige Kredite. Und obwohl die Fed für die Regulierungsfehler mitverantwortlich war, die zur Beinahe-Kernschmelze der Weltwirtschaft 2008-2009 führten, hat sie seit den Reformen nach der Krise sogar noch größere Macht und noch mehr Verantwortung für das Finanzsystem.

Dies ist besorgniserregend, da führende Beamte dort zum Verhalten vor 2008 zurückgekehrt zu sein scheinen. Sie ignorieren die Sorgen über die Gefährlichkeit des Finanzsektors – sogar dann, wenn diese Sorgen durch Mitglieder des Bankkomitees des US-Senats geäußert werden. Dies ist nicht nur unglücklich, sondern auch gefährlich, da die politische Lage der Fed unsicherer ist, als ihre Führung zu erkennen scheint.

In vielen Ländern sind die Menschen auf der rechten Seite des politischen Spektrums eine Bastion der Unterstützung für die Zentralbank. In Nordeuropa beispielsweise wird die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank als unverzichtbar für die Preisstabilität gesehen – und Politiker der Rechten räumen diesem Ziel üblicherweise eine höhere Priorität ein.

In den USA ist die Lage ganz anders. Hier steht die politische Rechte in Form der Republikanischen Partei der Fed schon seit langem sehr kritisch gegenüber. Dies liegt sowohl an ihrer Opposition gegen eine mächtige Staatsregierung als auch an der Nostalgie gegenüber den Tagen des Goldstandards (insbesondere in der Ausprägung, wie er vor der Gründung der Fed im Jahre 1913 vorherrschte). Die momentan bestehende Fed steht unter dem Schutz der Linken (der Demokratischen Partei).