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Die Versuchung der Zentralbanker

WASHINGTON, DC – Das Bankensystem ist zur Achillesferse der meisten Zentralbanker geworden. Das mag paradox erscheinen – schließlich befindet sich das Wort „Bank“ in ihrer Stellenbeschreibung. Doch die meisten Personen, die derzeit unseren Zentralbanken vorstehen, bauten ihre Karrieren in den 1980er und 1990er Jahren auf, als die Bedrohung durch Inflation noch sehr real war. Daher bildet dieses Szenario – und weniger die Regulierung und Aufsicht der Banken -  immer noch den Schwerpunkt ihrer theoretischen und praktischen Bestrebungen.

Überdies bestand eine prägende Erfahrung für viele Zentralbanker in den letzten fünf Jahren in der Notwendigkeit, den möglichen Zusammenbruch der Produktion zu verhindern, wozu auch Maßnahmen gegen den Preisverfall zählten. Dieses Ziel erreichten sie großteils durch die Stützung der Kreditvergabe, ungeachtet dessen, welche Auswirkungen dies auf die Struktur oder Anreize des Bankensektors haben könnte. 

Es ist keine Überraschung, dass die heutigen Zentralbanker den Chefs großer privater Banken weiterhin devot gegenüberstehen. Die Zentralbanken verfügen zwar über ein hohes Maß an Kontrolle hinsichtlich der Geldmenge einer Volkswirtschaft und sie sind in der Lage, Zinssätze über ein breites Spektrum an Darlehen und Wertpapieren zu beeinflussen. Doch vergeben werden die Kredite von privaten Banken, die auch die Verantwortung für weite Bereiche dessen tragen, wie Finanzmärkte funktionieren.

Die Erhaltung des Geschäfts und hoher Profite für globale Megabanken wurde daher zu einem zentralen Ziel  politischer Entscheidungsträger in den Vereinigten Staaten, in Europa und in vielen anderen Ländern. Allzu oft bedeutet dies allerdings auch, dass sich die Zentralbanker den Managern dieser Unternehmen beugen.