Dean Rohrer

Sollen wir unserer moralischen Intuition trauen?

Wenn wir das Verhalten von Politikern, Prominenten oder Freunden verurteilen, endet es oftmals damit, dass wir unsere moralische Intuition bemühen. Wir sagen dann:„Gefühlsmäßig ist es einfach falsch.“ Woher aber kommen diese intuitiven Urteile? Handelt es sich dabei um verlässliche moralische Richtlinien?

Außergewöhnliche Forschungsergebnisse haben jüngst neue Fragen über die Rolle intuitiver Reaktionen in der ethischen Argumentation aufgeworfen. Joshua Greene, studierter Philosoph, aber mittlerweile in der Psychologie tätig, kam vor Kurzem von der Universität Princeton nach Harvard und untersuchte, wie Menschen auf gewisse fiktive Dilemmas reagieren. Im ersten Fall befinden Sie sich neben Eisenbahngleisen und bemerken plötzlich, dass ein unbesetzter Eisenbahnwagen auf eine fünfköpfige Menschengruppe zusteuert. Bleibt der Waggon auf seinem Gleis, werden alle fünf Menschen getötet.

Das einzige was Sie tun können, um fünf Todesopfer zu vermeiden ist, eine Weiche umzustellen, so dass der Waggon auf ein Nebengleis umgeleitet wird, wo er nur eine Person töten kann. Auf die Frage, was sie unter diesen Umständen tun würden, geben die meisten Menschen an, sie würden den Eisenbahnwagen auf das Nebengleis steuern und so vier Menschen das Leben retten.

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