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Soll die Gleichstellungspolitik beibehalten werden?

In einer liberalen Ordnung sind gleiche Rechte für alle Staatsbürger von fundamentaler Bedeutung. Derartige Rechte ermöglichen politische Mitbestimmung, die Gründung von Verbänden und freie Meinungsäußerung. Aber sie öffnen auch die Türen zur aktiven Teilnahme am Wirtschaftsleben und zu Einrichtungen des Bildungswesens. Dass diese Rechte verfassungsmäßig garantiert sind, zählt zu den großen Errungenschaft des langen Kampfes um Bürgerrechte, der die letzten zwei Jahrhunderte prägte.

Trotzdem sind gesetzlich garantierte Rechte oft nicht ausreichend. Selbst das Wahlrecht bedeutet wenig für jemanden, der gänzlich von anderen Menschen oder Institutionen abhängig ist. Gleichheit vor dem Gesetz bleibt für diejenigen ein leeres Versprechen, die es sich nicht leisten können, davon Gebrauch zu machen oder einfach nicht wissen, wie sie dabei vorgehen sollen.

Das Bürgerrecht auf eine der Begabung entsprechende Ausbildung erfordert unterstützende Maßnahmen verschiedenster Art. So war es ein bedeutendes Motiv des sozialen Fortschritts im letzten Jahrhundert, das abstrakte Konzept der Gleichberechtigung mit sozialem Inhalt zu erfüllen. Das bedeutete beispielsweise die aktive Förderung durch Information oder politische Bildung. Im Zusammenhang mit Ausbildung bedeutete es vielfach die Gewährung finanzieller Unterstützung durch geförderte Darlehen oder Stipendien.

Aber selbst nachdem all dies durchgesetzt war, blieben hartnäckige Hindernisse auf dem Weg zur Gleichberechtigung bestehen. Große Gruppen unter den erfolgreichsten Bürgern einer Gesellschaft blieben unterrepräsentiert. Das galt hauptsächlich für Frauen und einige kulturelle Minderheiten, vor allem, wenn diese durch „askriptive" Merkmale wie Hautfarbe definiert waren.