Wie man das „große Spiel“ in Afghanistan dreht

Tel Aviv: Präsident Barack Obama hat sich also entschlossen, „die Sache durchzuziehen“. Der halsstarrige Schlachtruf der Bush-Administration im Irak bestimmt nun Obamas geplante Truppenaufstockung um 30.000 Soldaten in Afghanistan. Ein Sieg der Taliban dort, so hatten die Befürworter der Truppenaufstockung gewarnt, würde die gesamte Region radikalisieren und zu einem Dominoeffekt führen, mit einer Entfesselung islamischer Aufstandsbewegungen überall in Zentralasien. Auch Al Qaeda, unauflösbar mit den Taliban verbunden, hätte damit gesiegt, sollte Amerika seinen Rückzug signalisieren.

Doch ein Sieg der Kräfte des Dschihad ist nicht das einzig mögliche Szenario. Al Qaeda beispielsweise ist inzwischen ein weltweiter Franchisekonzern geworden, dessen Fähigkeiten nicht länger von seiner afghanischen Basis abhängen. Tatsächlich befindet sich Al Qaeda – vom Heroinhandel, der die Taliban in einen gigantischen Wirtschaftskonzern verwandelt hat, abgekoppelt – eindeutig im finanziellen Niedergang. Auch ist unklar, ob ein Abzug der NATO unweigerlich einer Machtübernahme der Taliban den Weg bereiten würde. Eine Aufspaltung des Landes entlang ethnischer Trennlinien ist ein wahrscheinlicheres Szenario.

In Wirklichkeit betrifft die Frage, was in Afghanistan zu tun ist, die alte Berufung auf die „Last des weißen Mannes“, die nie zu sterben scheint, egal, wie kostspielig und heuchlerisch sie auch sein mag. Denn selbst wenn die von Untergangspropheten prognostizierten Gefahren das wahrscheinlichste Szenario sind: Warum sollten sie eine größere Bedrohung für den Westen sein als für regionale Mächte wie Indien, China, Russland und den Iran (für den die sunnitischen Taliban eine gefährliche ideologische Herausforderung darstellen). Keines dieser Länder zieht eine militärische Lösung der Afghanistankrise in Betracht.

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