,,Getrennt aber gleichberechtigt" auf dem zweiten Blick

Doch sicherlich keine Mauer? Ein israelischer Freund, ein "Friede-Jetzt" Aktivist, antwortete auf meine Frage mit einer Gegenfrage: "Haben Sie bemerkt, dass kein einziger Selbstmordattentäter aus dem Gazastreifen nach Israel gekommen ist?" Und warum nicht? ,,Weil es dort einen Zaun gibt." Wenn um das Westjordanienland ein elektrischer Zaun errichtet würde, fuhr er fort, könnten gleich zwei Probleme auf ein Mal gelöst werden. Palästinenser könnten legal nur an wenigen Übergangsstellen nach Israel gelangen, und auch die Siedler würden bald ihre Lage für unerträglich halten und nach Israel zurückkehren.

Die Angelegenheit ist natürlich nicht so einfach. Solch ein Zaun würde wahrscheinlich auch Siedlungen nahe an aber noch innerhalb der Grenze von 1967 einschließen. Die Rückkehr der Siedler wäre ein schwieriger Prozess sowohl wegen der praktischen Umsetzung als auch wegen der öffentlichen Meinung in Israel. Dann bleibt noch die Frage, was geschieht mit den israelischen Arabern und mit Jerusalem (soll es, wie einmal Berlin, durch eine Mauer in zweien Teile zerschnitten werden?). Nach solchen Worten wundert man sich, dass jemand mit liberalen Wertvorstellungen wie mein "Friede-Jetzt" Freund die physische Trennung von Gruppen als den Weg - vielleicht als den einzigen Weg zum Frieden vertritt.

Die Vorstellung, die Gruppen sollten gleichberechtigt sein aber von einander getrennt leben, war einmal das äußerste Zugeständnis der Traditionalisten in den früheren amerikanischen Südstaaten mit Rassentrennung. Eine Form von Apartheid ohne Unterdrückung, so weit waren sie allenfalls bereit mitzugehen.

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