economist aurthur laffer Ted Soqui/Corbis via Getty Images

Wissenschaftlichkeit und Täuschung in der Volkswirtschaft

NEU-DELHI — Die etablierte Volkswirtschaft neigt dazu, sich auf einige „bewährte“ Schlussfolgerungen zu einigen und dann ungeachtet aller gegenteiligen Beweise daran festzuhalten. Das allein schon ist schlimm genug; möglicherweise noch schlimmer für eine Disziplin, die für sich in Anspruch nimmt, eine Wissenschaft zu sein, ist, ist jedoch das mangelnde Beharren auf der Replizierbarkeit empirischer Ergebnisse. Diese ist in den meisten Wissenschaften üblich und wesentlich; in der Volkswirtschaft dagegen schlägt diesbezüglichen Forderungen überwiegend Gleichgültigkeit und manchmal erbitterter Widerstand entgegen. In einigen Fällen werden anderen Wissenschaftlern die Daten, die man braucht, um Schlussfolgerungen nachzuvollziehen, verweigert.

Die Gründe hierfür sind häufig zutiefst politischer Art, weil die propagierten und verbreiteten Ergebnisse mit wirtschaftlichen Vorstellungen übereinstimmen, die bestimmte ideologische Positionen und die damit verbundene politische Haltung stützen. So werden etwa die Sparpolitik oder die Deregulierung der Märkte stützende empirische Arbeiten umfassend zitiert und bilden dann die Grundlage, um diese politischen Ergebnisse voranzutreiben. Dass derartige Arbeiten sorgfältig überprüft werden, indem etwa ihre Annahmen und statistischen Verfahren infrage gestellt werden, kommt sehr selten vor. Bei Arbeiten in den Naturwissenschaften wäre es die Norm.

Man betrachte etwa die von Stephen Moore und Arthur B. Laffer aufgestellte Behauptung, dass Trumps Steuersenkungen in den USA nicht nur selbsttragend sein würden, sondern das Haushaltsdefizit tatsächlich reduzieren und zugleich für mehr private Investitionen sorgen würden. Ihre Behauptung war völlig falsch. Doch scheint die wirtschaftliche Realität auf diejenigen, die weiter der mit der Laffer-Kurve verknüpften Behauptung glauben, dass niedrigere Steuersätze zu höheren Steuereinnahmen führen, kaum Einfluss gehabt zu haben.

We hope you're enjoying Project Syndicate.

To continue reading, subscribe now.

Subscribe

Get unlimited access to PS premium content, including in-depth commentaries, book reviews, exclusive interviews, On Point, the Big Picture, the PS Archive, and our annual year-ahead magazine.

http://prosyn.org/vTTjyii/de;
  1. haass102_ATTAKENAREAFPGettyImages_iranianleaderimagebehindmissiles Atta Kenare/AFP/Getty Images

    Taking on Tehran

    Richard N. Haass

    Forty years after the revolution that ousted the Shah, Iran’s unique political-religious system and government appears strong enough to withstand US pressure and to ride out the country's current economic difficulties. So how should the US minimize the risks to the region posed by the regime?

Cookies and Privacy

We use cookies to improve your experience on our website. To find out more, read our updated cookie policy and privacy policy.