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Die wichtigste Lehre aus dem Brexit

MÜNCHEN – Nach der Präferenz für Unabhängigkeit an sich war die Migration das bei weitem wichtigste Thema, das die Austrittsbefürworter umtrieb. So zeigt es eine Umfrage von YouGov, die am Tag des Referendums durchgeführt wurde.

Manche sehen in dem Verhalten der Briten Fremdenfeindlichkeit und verorten sie in einer unmoralischen rechten Ecke. Sie haben die Natur des Problems jedoch nicht verstanden. Die Briten sind dank ihres Commonwealth eines der weltoffensten Länder überhaupt. Gerade ihnen Xenophobie vorzuwerfen ist absurd.

In Wahrheit ist das Votum eine berechtigte Kritik an der Konstruktion der Europäischen Union, die auf weitgehend offenen Grenzen nach außen und eine Kombination aus Freizügigkeit und Inklusionsprinzip nach innen basiert. Die EU sollte das britisches Misstrauensvotum zum Anlass nehmen, ihre Migrationsregeln grundlegend zu ändern. David Cameron hatte nämlich Recht mit seinem Ansinnen. Die EU hätte ihm bei der Einschränkung des Inklusionsprinzips viel stärker entgegen kommen müssen, als sie es tat.

Sie sollte das, was Cameron forderte und nicht bekam, nämlich eine sehr stark verzögerte Integration auch der Arbeitsmigranten in das Sozialsystem, jetzt im eigenen Interesse realisieren. Wenn sie den Wohlfahrtsmagneten nicht abschaltet, wird sie zerfallen, denn die Migration ist auch für die anderen EU-Bürger das alles überragende Thema. Parteien, die das nicht wahr haben wollen, werden ihr blaues Wunder erleben.