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Sarkozy vor dem Abstieg

PARIS – Und der nächste französische Präsident wird…der Kandidat der Sozialistischen Partei, François Hollande. Vor einem Monat hätte eine mit solcher Gewissheit ausgesprochene Vorhersage unbedacht oder gar töricht geklungen. Der Ausgang war unsicher. Vier Kandidaten dominierten den Wettbewerb, und niemand hätte sich getraut, vorherzusagen, welche beiden es in die Stichwahl der zweiten Runde schaffen würden. Tatsächlich schien das Ergebnis offener zu sein als je zuvor in letzter Zeit.

Plötzlich ist etwas geschehen – kein eigentliches Ereignis (obwohl es mit Hollandes erster großer öffentlicher Kundgebung Mitte Januar begann), sondern eher eine Art unaufhaltsamer Prozess, der so zusammengefasst werden kann: Die Mehrheit der Franzosen möchte einen Präsidenten bestrafen, der bei ihnen in Ungnade gefallen ist.

Vielleicht hätten sie sich dies nicht getraut, wenn es keine halbwegs geeignete Alternative gegeben hätte. Hollande, der einen besseren und engagierteren Eindruck machte, als die meisten französischen Wähler es ihm zugetraut hätten, hat dem weit verbreiteten Bedürfnis, den Amtsinhaber abzusetzen, eine Stimme (und ein Gesicht) gegeben.

Dies bedeutet nicht, dass Hollande charismatisch ist. Im Gegenteil, über seine Stärke und nicht zuletzt über die Umsetzbarkeit und Qualität seines Programms bestehen Zweifel. Aber im Gegensatz zu seiner früheren Gefährtin Ségolène Royal, die bei der Präsidentschaftswahl 2007 Herausforderin von Sarkozy war, sieht er “echt” aus und hört sich auch so an.