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London gegen den IS

PARIS – „Ich bin so stolz auf meine Stadt“, sagt meine Gesprächspartnerin und meint damit die Wahl des ersten muslimischen Bürgermeisters, Sadiq Khan. Sie ist Katholikin, obwohl sie sich selbst in erster Linie als Britin betrachtet. Doch wie andere Londoner war sie von Khans Botschaft inspiriert, die der Furcht die Hoffnung entgegenstellte.

Khans Wahl steht im deutlichen Widerspruch zu einer Dynamik, die anderswo im Westen zu wirken scheint. Die europäischen Bevölkerungen – in Ungarn und Polen, sowie beinahe auch in Österreich – fallen zunehmend einem radikalen, offen fremdenfeindlichen Populismus anheim. In den USA hat Donald Trumps bombastische Bigotterie diesem die Nominierung der Republikaner für die Präsidentschaftswahlen eingetragen.

Auch die Londoner hatten ganz klar die Möglichkeit, sich für die Intoleranz zu entscheiden. Sie hätten den Kandidaten der Konservativen, Zac Goldsmith, wählen können, der Khan immer wieder vorwarf, Verbindungen zu „radikalen muslimischen Gestalten“ zu unterhalten

Die ohne Grund oder Belege vertretene Erwartung, dass alle Muslime dem Extremismus verbunden seien, ist unzweifelhaft rassistisch. Derartige Vorwürfe gegen einen Muslim zu erheben, der sich um ein öffentliches Amt bewirbt, hat nichts mit dem Schutz des öffentlichen Interesses zu tun. Der Zweck derartiger Taktiken besteht darin, die Vorstellung zu verstärken, dass man Muslimen keine wichtigen Führungsrollen anvertrauen kann.