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Russlands Krieg gegen die ukrainische Volkswirtschaft

WASHINGTON, DC – Auch wenn sich die ukrainische Volkswirtschaft nicht mehr im freien Fall befindet, ist sie nach wie vor in einem schlimmen Zustand. Das BIP des Landes fiel 2014 um 6,8% und wird Prognosen zufolge in diesem Jahr um weitere 9% schrumpfen – ein Gesamtverlust von rund 16% in nur zwei Jahren. Während sich die Lage in gewissem Umfang zu stabilisieren scheint – die Abwertung der Griwna hat das Leistungsbilanzdefizit des Landes beseitigt, und der Haushalt wurde im zweiten Quartal dieses Jahres durch eine massive Haushaltsanpassung ins Gleichgewicht gebracht – bleibt die Situation prekär.

Die größten wirtschaftlichen Herausforderungen, vor denen die Ukraine steht, sind nicht selbstverschuldet, sondern das Ergebnis der russischen Aggression. Der kriegslüsterne östliche Nachbar hat die Krim annektiert, unterstützt die Rebellen in der Ostukraine, führt einen Handelskrieg, hat zwischenzeitlich seine Gaslieferungen gestoppt und droht mit einem finanziellen Angriff. Bisher hat es die Ukraine wundersamerweise geschafft, diesen Attacken weitgehend ohne internationale Hilfe zu widerstehen – aber sie braucht verzweifelt Unterstützung.

Die russische Annexion der Krim im März 2014 hat die Ukraine 4% ihres BIP gekostet. Inzwischen haben von Russland unterstützte bewaffnete Kräfte Teile der Ostukraine besetzt, auf die 2013 10% des ukrainischen BIP entfielen. Die Produktivität des Donezbeckens ist seitdem um 70% gefallen; dies hat die Ukraine rund 7% ihres BIP des Jahres 2013 gekostet.

Russische Handelssanktionen haben die Exporte der Ukraine nach Russland seit 2013 um 70% verringert, was einem Rückgang der Gesamtexporte der Ukraine von 18% entspricht. Allein im vergangenen Jahr sind die ukrainischen Exporte nach Russland – unter anderem Maschinen, Stahl, Agrarprodukte und Chemikalien – um die Hälfte zurückgegangen. Logistische Probleme, fehlende Wirtschaftsverbindungen und die Spezialisierung einiger Produkte haben dazu geführt, dass diese Waren nicht kurzfristig anderswohin verkauft werden konnten. Der Verlust dürfte nach meiner Schätzung einem Rückgang des ukrainischen BIP von 6% entsprechen.