guriev28_Anatolij FominyhEyeEmGetty Images_kremlinplants Anatolij Fominyh/EyeEm/Getty Images

Die Begrünung des Kremls

PARIS – In einem sowjetischen Witz aus den 1970er Jahren lässt das Politbüro Stalin wieder auferstehen und fragt ihn, was es gegen die wirtschaftliche Stagnation und die weit verbreitete Desillusionierung über die kommunistischen Ideale tun soll. Stalin schlägt ein zweiteiliges Programm vor: erstens, alle Kommunisten zu erschießen, und zweitens, den Kreml grün anzustreichen. „Warum grün?“, fragen die schockierten Politbüromitglieder. Ein lächelnder Stalin antwortet: „Ich wusste, dass es zum ersten Teil keine Fragen geben würde.“

Angesichts der zunehmenden staatlich sanktionierten Unterdrückung und der Anwendung von Folter im heutigen Russland erscheint dieser Witz nicht mehr ganz so weit hergeholt oder veraltet. In einer Umfrage vom März 2021 gaben 52 % der Befragten – der mit Abstand höchste Anteil in der postsowjetischen Geschichte Russlands – an, dass sie eine Rückkehr zur Tyrannei befürchten. Noch erstaunlicher ist jedoch, dass die russische Regierung nun Stalins zweitem Vorschlag folgt und den Kreml grün färbt.

Natürlich ist das Schloss aus dem fünfzehnten Jahrhundert in der Moskauer Innenstadt immer noch rot gestrichen. Aber seine Herren haben plötzlich begonnen, die Sprache der Dekarbonisierung zu sprechen. Am 13. Oktober verkündete Präsident Wladimir Putin auf dem Forum der Russischen Energiewoche, dass Russland bis 2060 CO2-neutral werden will – zehn Jahre nach den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union, aber zur gleichen Zeit wie China.

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