Die einsame russische Parade

WASHINGTON, DC – Wenn der russische Präsident Wladimir Putin am 8. Mai die Parade zur Erinnerung an den europäischen Sieg von 9. Mai eröffnet, werden nicht so viele Zuschauer dort sein wie noch vor ein paar Jahren. Weder US-Präsident Barack Obama noch Politiker aus der Europäischen Union werden anwesend sein, um die Panzer rollen und das Militär über den Roten Platz marschieren zu sehen. Mit Ausnahme des Präsidenten von Serbien werden nur Politiker aus Ländern wie China oder Vietnam erwartet, die auf der europäischen Bühne des Zweiten Weltkriegs keine Rolle gespielt haben.

Nach der russischen Annektierung der Krim und Putins weiterer Unterstützung der Sezessionisten in der Ostukraine sind die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen so schlecht, wie sie es seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr waren. Obama nannte die russische Aggression in Europa kürzlich eine der drei Hauptbedrohungen der nationalen Sicherheit der USA – neben Ebola und dem Islamischen Staat. Putin reagierte darauf mit der Behauptung, die USA hätten den Islamischen Staat erst erschaffen und würden in der Ukraine und im Rest der Welt „Neonazis“ unterstützen.

Die diplomatischen Spannungen haben eine gewisse Ironie, denn die Parade in Moskau soll an den Sieg gegen Nazideutschland vor sieben Jahrzehnten erinnern, der nur durch eine Allianz der Vereinigten Staaten, Großbritannien und der Sowjetunion möglich war. Heute ist keine Zusammenarbeit der ehemaligen Alliierten mehr möglich, nicht einmal gegen einen gemeinsamen Feind wie den Islamischen Staat.

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