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Russlands abtrünnige Marionette

MOSKAU – Vor kurzem präsentierte der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow dem Führer der nationalistischen und vergleichsweise moderaten tschetschenischen Opposition, Achmed Sakajew, den Vorschlag, nach Tschetschenien zurückzukehren. Kadyrow versprach Sakajew Amnestie und bot ihm verschiedene Posten vom Direktor eines lokalen Theaters bis zum Kulturminister an.  

Sakajew war offensichtlich bereit, das Angebot anzunehmen. Seine Position in der nationalistischen Opposition war schwach. Die Zahl der Kämpfer in Tschetschenien, die ihn als Kommandanten anerkennen, scheint begrenzt, so es überhaupt welche gibt. Sein jüngster Versuch, einen Emissär zu entsenden, um eine Kampfeinheit direkt unter seinem Kommando zu schaffen, war nicht von Erfolg gekrönt.

Zugleich unterhielt Sakajew durchaus freundliche Beziehungen zu Kadyrow, dessen Leistungen – die praktische Unabhängigkeit Tschetscheniens – er implizit anerkannte. Der Kreml hatte angeblich nichts gegen diesen Deal einzuwenden gehabt.   

Aber obwohl Sakajew zu den moderatesten Mitgliedern des tschetschenischen Widerstandes zählte, musste für seine Amnestie eine Genehmigung des Kreml eingeholt werden. Diese wurde ihm offenbar vorenthalten, weswegen er wohl Kadyrows Angebot ausschlug. Der Grund, warum sich der Kreml gegen eine Amnestie für Sakajew aussprach, steht aber wahrscheinlich nicht mit ihm persönlich in Zusammenhang, sondern eher mit Kadyrow.