1

Die russische Sprache wird zum Einheitsbrei

Vor dreihundert Jahren öffnete Peter der Große das Fenster nach Europa. Fremdsprachen wie Englisch, Holländisch, Französisch und Italienisch überschwemmten Russland. Auch heute werden in Russland neue Wörter und Kulturformen mit atemberaubender Geschwindigkeit übernommen. Manchmal besteht der russische Begriff daneben, ein anderes Mal wird er verdrängt.

So gab es beispielsweise in Russland "Schtschi" (Krautsuppe), "Ucha" (Fischsuppe), "Pochljobka" (Suppe mit allem Möglichen), "Soljanka" (Bauernsuppe), "Batwinija" (kalte Rübensuppe) und "Okroschka" (Frühlingsgemüsesuppe). Nun sind Bouillon, Consommé und manchmal sogar einfach nur "Soup" (Suppe) dazugekommen. Heute haben wir also mehr Wörter als früher. Ist das nicht schön?

Irgendwer glaubt jedoch, dass sämtliche alten Bezeichnungen aus unserem Gedächtnis zu verschwinden haben und nur noch eine bleiben darf - Soup. Soup, immer nur Soup, ohne jede Abwandlung. Alles, was wir mit dem Löffel zu uns nehmen ist Soup, alles, was wir mit der Gabel verspeisen ist keine Soup. Auf allen Speisekarten lesen wir Soup. Nur das.

Vergessen Sie, erinnern Sie sich bloß nicht und versuchen Sie niemals herauszufinden, was Wörter wie Gazpacho oder Bouillabaisse wohl bedeuten könnten. Fragen Sie nicht nach den Zutaten dieser Gerichte. Sie brauchen das nicht zu wissen. Warum sich überhaupt über Gazpacho Gedanken machen? Sie können sogar den einfachen Unterschied zwischen "Schtschi" (Krautsuppe) und "Borschtsch" (Rübensuppe) vergessen. Es gibt keinen. "Ucha" (Fischsuppe), was ist schon "Ucha"? Nachdem es alle Fischsorten zu kaufen gibt, beseitigen wir das Wort einfach. Wozu den Namen verwenden, wenn wir ein Produkt haben?